Merchandising-Boss Pusnava (weißes Hemd) eröffnet zusammen mit Konsul Erdoğan den neuen Löwen-Shop. © Privat
Als wäre die Welt heil und die Zukunft vielversprechend: Am Flughafen gibt es jetzt einen Fanshop der Löwen. © Screenshot/Instagram
Vor der Scheidung: Ismaik, Mang im Sommer 2025.
München – Überraschende Wendungen und dramatische Szenen – Serienfans lieben es, Löwenfans müssen es dieser Tage zwangsläufig ertragen. Am Mittwoch verkündete 1860, dass die fehlenden 2,7 Millionen Euro für die Drittliga-Lizenz nicht fristgerecht beim DFB hinterlegt wurden – der Absturz in den Amateurfußball. Tags darauf gab der e. V. bekannt, den Kooperationsvertrag mit der HAM International (Ismaik-Firma) gekündigt zu haben.
Damit steht zumindest vorerst (HAM wird rechtliche Schritte einleiten) fest, dass die Löwen in der kommenden Saison als TSV 1860 e. V. an den Start gehen werden, laut eigener Aussage in der Regionalliga Bayern. Am Samstag schließlich eröffnete die Merchandising-GmbH (gehört Ismaik) einen neuen Fanshop am Münchner Flughafen. Mit KGaA-Produkten wohlgemerkt, obwohl diese Stand jetzt nicht mehr allzu viel Wert besitzen. Die Botschaft des Jordaniers jedoch ist klar: Hasan lässt nicht locker! Auf Instagram schrieb er: „Der Shop ist ein Versprechen. An die Mannschaft. An die Fans. An die Zukunft von 1860 München.“
Rund 150 Fans hatten sich am Samstagmorgen am Terminal 2 des Flughafens eingefunden, um das Spektakel zu beobachten. Zusammen mit Ehrengast Süalp Erdoğan – türkischer Generalkonsul in München – durchschnitt Merchandising-Boss Valentin Pusnava um 11.10 Uhr das obligatorische Band des Stores, skandierte dabei: „57, 58, 59 – 60!“ Eigentlich hätte der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger vor Ort sein sollen, sagte jedoch kurzfristig aus familiären Gründen ab. Wie kurzfristig, zeigte das Lied, zu dessen Klängen Erdoğan vor die Gäste trat: der bayerische Defiliermarsch.
Pusnava war sichtlich erfreut, wie viele Fans trotz der momentan so konfusen Situation erschienen waren. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte der 40-Jährige: „Dass so viele Fans hier sind, ist ein positives Zeichen. Wir erleben gerade sehr schwierige Momente, sind tief enttäuscht. Wir wollen aber weiterkämpfen.“ Hinsichtlich der Zukunft der Merchandising-GmbH gab sich Pusnava kämpferisch: „Ich bin mir sicher, dass wir ab nächster Woche bessere Nachrichten bekommen werden von allen Parteien. Wir müssen kühlen Kopf bewahren, eine Partei kann nicht einfach von einer Seite den Kooperationsvertrag kündigen, das wird jetzt juristisch von der HAM-Seite geprüft.“
Ismaik möchte also rechtlich dagegen vorgehen, dass der e. V. nach 15 Jahren „Ehe“ nun die „Scheidung“ eingereicht hat. Der Mutterverein hingegen muss sich ab sofort darauf konzentrieren, die eigenen Baustellen anzugehen – und das sind viele: Mannschaft, Trainer, Stadion heißen neben rechtlichen Themen – Nutzung des Trainingsgeländes beispielsweise – die dringlichsten Themen für Präsident Gernot Mang & Co.
Der erste Jubel über die Kündigung des Kooperationsvertrags hat sich gelegt, jetzt steht die knifflige Realität vor der Tür. Die Fans haben ein gutes Gespür dafür, was der e. V. gerade am dringendsten benötigt: Geld. Neben der Einladung, Mitglied zu werden, kursiert auch ein Aufruf zum Spenden im Netz. Via Crowdfunding kamen – bis Sonntagnachmittag – bereits 45.000 Euro zusammen.
Sechs Wochen vor dem Saisonstart ist noch unklar, wie genau die Löwen weitermachen können. Eines ist jedoch klar: Ismaik gibt nicht auf, klammert sich an sein gescheitertes Invest. Seine Worte auf Instagram in den vergangenen Tagen klingen in den Ohren vieler Fans schon fast wie eine Drohung: „Ich bin weiterhin hier. Ich glaube weiterhin an diesen Verein, und gemeinsam werden wir diese Zukunft aufbauen.“MARCO BLANCO UCLES