Nagelsmann begann in Weiß…. © IMAGO/Eibner/Coleman
… und wechselte zu Schwarz. © Federico Gambarini/dpa
Chicago – Spektakel können die Amerikaner zweifellos. Schon vor dem Anpfiff heizten die Veranstalter den 66.000 Fans im Soldier-Field-Stadion von Chicago ordentlich ein: Mehrere Feuerwerke wurden gezündet, sogar zwei Riesenjets flogen über die Arena. Zehntausende Fahnen waren unter den Zuschauern verteilt worden, damit diese zur Musikshow wedeln konnten. Nur wurde dieser Stimmung ein Ende bereitet: einmal durch den frühen Führungstreffer von Kai Havertz und wie zur Bestätigung durch das zweite Tor von Leroy Sané, das schließlich den 2:1 (1:1)-Erfolg gegen die USA im letzten Testspiel vor der WM besiegelte.
Was macht man nun mit diesem Sieg, der zwar das nächste Erfolgserlebnis bedeutete, gleichzeitig aber spielerisch wenig Glanz versprühte? Julian Nagelsmann zeigte sich glücklich mit dem Ergebnis: „Es war ein perfekter Test für uns, von der Witterung und vom Gegner her, insgesamt bin ich zufrieden“, so der Bundestrainer. „Wir haben jetzt neunmal in Folge gewonnen, das muss man erst mal machen. Es war ein cooles Erlebnis.“
Daher kündigte er an, bis zum ersten Gruppenspiel am 14. Juni nicht mehr viel ändern zu wollen: „Wir haben einen Plan im Kopf und werden nicht noch acht Spieler wechseln Richtung Curacao. Was die Stimmung angeht, haben wir noch mal Feedback eingeholt bei der Mannschaft, das war extrem positiv.“
Und auch Kai Havertz schwärmte nach dem 2:1: „Wir haben alles in allem ein gutes Spiel gemacht. Wir sind in einer guten Form. Wir brauchen jeden Einzelnen, wir brauchen die Euphorie, das Selbstbewusstsein – und gehen mit breiter Brust ins erste Spiel.“
Es gibt aber auch eine andere Lesart dieses Erfolgs. Zwar stimmte das Ergebnis, weite Teile der Partie wirkte die DFB aber träge, hatte nach vorn wenig Ideen und ließ hinten zu viele Chancen zu. Zwischenzeitlich, als die USA die deutsche Elf um ihren eigenen Strafraum herum belagerte, hatte man das Gefühl, die USA sei eigentlich der Favorit und die DFB-Elf eher ein Turnieraußenseiter.
Damit es umgekehrt kommt, die Nationalmannschaft bei der WM lange dabei ist und womöglich sogar um den Titel spielt, muss sich noch einiges verbessern: Vor allem Florian Wirtz und Jamal Musiala sind noch nicht in Turnierform, beide Superstars blieben blass. Das Mittelfeldzentrum aus Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha muss sich einspielen, damit sie das Spiel besser organisieren können und gleichzeitig nach hinten absichern. Und zuletzt muss das gesamte Team die Lücken verkleinern, sodass es im eigenen Pressing weniger Raum für Konter lässt.
An all diesen Problemen wird Nagelsmann in den kommenden Tagen arbeiten wollen und müssen. Am Sonntag bekamen die Spieler zur Regeneration einen freien Tag in Chiaco, am Montag geht es dann ins Basecamp nach Winston-Salem. Dort hat die DFB-Elf eine knappe Woche Zeit, um sich weiter einzuspielen – am Sonntag steht schon das erste Gruppenspiel gegen Curacao an.VINZENT TSCHIRPKE