Philipp Lahm ist auch Ehrenamtler.
Philipp Lahm hat im Profifußball so gut wie alle großen Titel gewonnen. Heute setzt er sich mit „treffpunkt verein“, seiner Initiative zur Unterstützung von Vereinen, für den Breitensport ein. Dort ist auch der Ideenwettbewerb „Gemeinsam geht besser“ entstanden. Dieser wurde im Rahmen der „Harplatz Helden Konferenz“ in Berlin vorgestellt. Finanziert wurde der Ideenwettbewerb unter anderem aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung. Gemeinsam mit Dr. Bernhard Straub, Geschäftsführer der Stiftung, spricht Lahm über das Projekt.
Der Ideenwettbewerb „Gemeinsam geht besser“ hat 220 Einreichungen hervorgebracht. Hat Sie diese Resonanz überrascht – und was sagt sie über den Zustand unserer Vereinslandschaft aus?
Lahm: Nein, überrascht hat es mich nicht, denn ich weiß, dass es viele engagierte Vereine mit tollen Ideen gibt. Das hat man auch jetzt auf der „Hartplatz Helden Konferenz“ wieder gesehen. Als Jury-Mitglied beim Ideenwettbewerb war es für mich sehr interessant, die vielen Projektideen zu sichten. Ein gutes Beispiel ist der SV Waldeck Obermenzing aus München, der sich mit Respekt-Armbändern für ein besseres Miteinander auf und um den Fußballplatz einsetzt. Solche Ideen lassen sich relativ leicht auf andere Vereine übertragen. Bei meiner Initiative „treffpunkt verein“ geht es deshalb auch um Vernetzung.
Herr Straub, Sie sagen, Demokratie entsteht nicht nur in Parlamenten, sondern überall dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen. Glauben Sie, dass Sportvereine diesen demokratischen Auftrag heute noch ausreichend wahrnehmen – oder schläft da ein Potenzial?
Straub: Demokratie ist kein Zuschauersport. Ich bin überzeugt, dass das auch heute in vielen Vereinen so gelebt wird. Denn so wie sich die Gesellschaft verändert, verändern sich auch die Sportvereine. Vereinsleben steht für ein organisiertes Miteinander. Genau das ist es, was unserer Gesellschaft etwas abhandengekommen ist: Wir driften auseinander, jeder schaut aufs Handy und bleibt in seiner eigenen Welt. Ich glaube, allein schon dadurch, dass man im Sportverein zusammenkommt – und zwar quer durch alle Schichten und Strukturen der Gesellschaft – ist der erste Schritt getan. Die Antwort lautet also: Die Vereine machen das richtig gut, und ich freue mich über die große Resonanz.
Herr Lahm, Sie engagieren sich selbst in Ihrem Heimatverein FT Gern. Wie hat Ihr Aufwachsen im Amateurverein Ihre Überzeugung geprägt, dass „im Fußballverein an der Basis die Demokratie beginnt“?
Lahm: Als Kind nimmt man das ja nicht so wahr. Und das ist die Kunst und der Vorteil daran, den der Sport hat. Es passiert spielerisch, alles so nebenbei. Dass du Kapitän wirst zum Beispiel. Bei unserer Jugendmannschaft, die ich aktuell als Co-Trainer begleite, haben wir das so gemacht, dass wir wählen lassen. Jeder kann sich aufstellen lassen, jeder darf seine Stimme abgeben. Wir fördern auch, dass die Kinder aussprechen, wenn sie Anliegen haben, wenn sie Veränderungen wollen oder wenn irgendetwas ist – dieses Verantwortungsbewusstsein zu vermitteln, sehe ich als meine Aufgabe. So habe ich es selbst im Verein gelernt, so gebe ich es weiter.
Herr Straub, die Robert Bosch Stiftung hat den Wettbewerb mitfinanziert und mitgestaltet. Was hat sie bewogen, ausgerechnet den Amateursport als Ort der Demokratieförderung in den Fokus zu nehmen?
Straub: Wir sind davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft Begegnungsräume braucht, in denen wir Vorurteile und manche Selbstüberzeugung ablegen und uns von Mensch zu Mensch begegnen können. Sportvereine sind genau solche Orte. Dort gehört es dazu, dass man zuhört, eine Idee aufgreift, vielleicht sogar ausprobiert oder auch mal eine Taktik ändert. All das lernt man, während man es tut, ohne pädagogischen oder universitären Rahmen. Deshalb ist der Breitensport für uns einer der Bereiche, in denen wir gern und ganz bewusst tätig sind. Als Stiftung beschäftigen wir uns seit Jahrzehnten mit gesellschaftlichem Zusammenhalt, und Vereine sind ein erstklassiger Ort, an dem wir wirken können.
INTERVIEW: MANUEL BONKE
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