KOMMENTAR

Ein Einzelschicksal als Plädoyer

von Redaktion

Der Fall Eriksen

Das Wichtigste vorab: Christian Eriksen geht es gut. Die Nachricht, die die gesamte Fußball-Welt aufatmen ließ, kam gleich am Montagmorgen. „Vorsichtige Entwarnung“ konnte der dänische Teamarzt Morten Boesen geben, der prominente Patient sei wohlauf und könne bald aus dem Krankenhaus entlassen werden. Infos, die freilich auch in den USA, Kanada und Mexiko registriert wurden, als die WM-Fahrer in ihren frisch bezogenen Quartieren aufwachten. Einmal durchatmen, bitte!

Ein Schock wie bei der EURO 2021 muss heuer zum Start in das nächste große Turnier nicht verdaut werden. Und trotzdem: dass der dänische Rekordnationalspieler wenige Tage vor Anpfiff der Mammut-WM wieder zusammenbrach und die Branche zum Innehalten zwang, richtet auch diesmal den Blick zur rechten Zeit mal kurz weg von Gigantismus, Größenwahn und den unter dem Motto „weiter, immer weiter“ verbreiteten Superlativen. Während ab Donnerstag in drei Ländern, in vier Zeitzonen und zu 16 verschiedenen Anstoßzeiten an 39 Tagen 48 Mannschaften in zwölf Gruppen und 104 Spielen ihren Champion suchen, geht es für (den Nicht-WM-Fahrer) Eriksen um deutlich wichtigere Fragen: Warum brach er fünf Jahre nach seinem Herzstillstand bei der EURO wieder zusammen? Und ist Leistungssport mit Defibrillator noch das Richtige für ihn?

Ein Einzelschicksal, klar. Aber doch eines, das so sehr bewegt, dass es Symbolkraft hat. Ja, wenn der Anpfiff zwischen Mexiko und Südafrika am Donnerstag ertönt ist, muss der Fokus auf dem Feld liegen; auf Toren, auf Paraden, auf Pässen und auf Zweikämpfen. Aber es tut Fans wie Protagonisten sicherlich nicht schlecht, sich auch in jenen Momenten, die bitter oder sogar unfair wirken werden, auf den Kern des Sports zu besinnen. Fußball soll Spaß machen, verbinden, inspirieren. Trotzdem gibt es so viel Wichtigeres im Leben. Lassen wir uns also am besten die Herzen erwärmen – und regen uns nicht so viel auf!

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