BASKETBALL

Wahnsinn in Warschau

von Redaktion

Münchner Kropp schreibt 3×3-Geschichte

Das Frankfurter Team um Niklas Kropp (l.). © Instagram

Warschau – Das gerade erworbene Heiligtum blieb im Hotelzimmer. Und so stürzte sich Niklas Kropp ohne Silbermedaille ins Nachtleben von Warschau. „Da habe ich nichts riskiert“, sagt der Basketball-Nationalspieler der Disziplin 3×3. Mit Spielern aus allen möglichen Ländern vergnügten sich die deutschen Helden bis in die Morgenstunden hinein. Anders wäre es gar nicht denkbar in dieser Sparte, die dem lässigen, coolen Streetball entwachsen ist. Erstmals haben die Deutschen Männer bei der 3×3-Weltmeisterschaft eine Medaille gewonnen. Im Finale verloren sie gegen Olympiasieger Lettland 15:20. Mittendrin ein Münchner: Niklas Kropp, 28 Jahre alt, über zwei Meter groß und Teil des Frankfurter 3×3-Teams.

Ganz früher, in der Jugend, spielte er für den FC Bayern. Danach hievte er mit ein paar Freunden den TSV Unterhaching aus den Niederungen des Basketballs in die vierte Liga, eher er komplett in den 3×3-Bereich abbog. „Am Anfang nur zum Spaß“, sagt Kropp, mittlerweile professionell für die Skyliners aus Frankfurt aktiv. Lange Jahre wurde die Mini-Version auf einem halben Feld und mit nur drei Spielern als Freizeit-Spielerei belächelt. Bis der Weltverband ein eigenes Ökosystem drumherum schuf. Niklas Kropp sieht im Jahr 15 bis 20 Länder auf den vielen Stopps der Welttour, stand vor den Pyramiden von Gizeh, warf Körbe in den Häuserschluchten von Manila. 3×3 war sein Vehikel, neben dem Studium „die Welt zu sehen – das können dir nicht viele Sportarten geben“, schwärmt der Linkshänder mit dem erstklassigen Wurf.

Den Silber-Coup bei der Weltmeisterschaft gemeinsam mit Denzel Agyeman, Fabian Giessmann und Kevin Bryant hat auch der Verband möglich gemacht. Früher schickte man zu den großen Turnieren vor allem Nachwuchsspieler, jetzt auch routinierte Leute wie Niklas Kropp. Das Plus an Erfahrung war vor allem in den Entscheidungsspielen zu sehen. Nach makelloser Vorrunde mit ausnahmslos deutlichen Siegen gewannen die Deutschen im Viertelfinale (21:19 gegen Österreich) und Halbfinale (19:18) jeweils in den Schlussmomenten. Nur im Finale – bei den Letten spielten zwei Olympiasieger mit – unterliefen ihnen nach gutem Start samt Führung zu viele Fehler. Niklas Kropp tat sich schwer, die Ereignisse emotional einzuordnen. Einerseits: „Super, dass es in der Konstellation geklappt hat.“ Andererseits: „Erstmal enttäuschend,“ weil er in der K.o.-Phase nicht an seine Bestleistung herankam, etwa im Finale ohne Punkt blieb. „Ein Auf und Ab, hängt viel mit Rhythmus zusammen“, erklärt er. Und den fand er an beiden Finaltagen nicht. War zugegeben auch nicht so einfach. Im Nationalteam hat er eine andere Rolle verglichen mit Frankfurt, muss den Ball öfters dribbeln, ist defensiv mehr gefragt.

Montagnachmittag ging’s für den Münchner wieder in die Heimat – und damit zurück zu den Zukunftsfragen. Nach abgeschlossenem Masterstudium muss er sich am Ende des Sommers entscheiden, ob er dem 3×3-Zirkus für weitere zwei Jahre erhalten bleibt, Richtung Olympia 2028 angreift oder doch endgültig ins Berufsleben abbiegt. Die süßen Erinnerungen an die Warschauer Arena („die größte, in der ich je gespielt habe“) werden ihm den Entschluss nicht einfacher machen. ANDREAS MAYR

Artikel 1 von 11