Den Fußball, wie er demnächst bei der WM sein wird, haben wir so noch nicht gekannt. Er steht vor der größten Revolution seit Jahrzehnten. Vergesst die in den 90er-Jahren eingeführte Torwartregel oder sämtliche Abseits- und Hand-Deutungen der Neuzeit – nun passiert wirklich Tiefgreifendes: Ein Spielerwechsel muss binnen zehn Sekunden abgewickelt sein. Schon neulich beim deutschen Test gegen Finnland galt: Die Uhr läuft.
Was dadurch alles Vergangenheit wird: Zunächst der quälend langsame Gang von Spielern der führenden Mannschaft, wenn ihr Arbeitstag trainerseitig für beendet erklärt wird. Als würden mit der Abberufung dem Körper sämtliche Lebensgeister entzogen, schlurfen sie vom Feld, sodass in der Rückschau Franz Beckenbauers Schlendern als Weltmeister über den Rasen von Rom wie ein Powerwalk anmutet. Vielleicht noch ein angedeutetes Joggen auf den letzten Metern zur Seitenlinie ist aus den modernen Hochleistungskörpern zu pressen (gewesen). Allerdings verliert das Spiel auch seine wärmende psychologische Komponente. Gelegentlich wechseln Trainer ihren Man of the Match aus, damit er in der halben bis ganzen Minute, die er für seine 20 bis 30 Meter benötigt, den allein ihm geltenden Applaus genießen kann, die wahre Prämie des Fußballprofis. Auch sind das schöne Momente der Interaktion zwischen Publikum (klatschend) und Spieler (in alle Richtungen zurückklatschend) (gewesen).
Jetzt müssen alle Ausgewechselten vom Feld stürmen, als gehörten sie dem Team an, das zurückliegt und dringend frische Kräfte benötigt. Zehn Sekunden Zeit, das kann je nach Aufenthaltsort sehr herausfordernd werden.
Der Fußball wird erkennen: Das Auswechseln wird er üben müssen so wie die Triathleten das Abstreifen des Schwimmanzugs und den Umstieg von den Rad- in die Laufschuhe – alles Teil des Wettkampfs. Bald schon werden im Fußball die ersten Stellen als Wechseltrainer ausgeschrieben.