Fernab der Metropolen: Winston-Salem.
Uno-Zocken auf dem Weg ins Camp. © DFB
Gelandet: Präsident Bernd Neuendorf (v.r.), Trainer Julian Nagelsmann & Geschäftsführer Andreas Rettig. © Hassenstein/AFP
Schlossähnlich wirkt das Zuhause des deutschen Teams in North Carolina.
Winston-Salem – Wer mit dem Flugzeug nach Winston-Salem anreist, bekommt schon aus der Luft eine Vorstellung davon, was einen hier erwartet: Bäume, nichts als Bäume sieht man beim Blick aus dem Fenster während des Landeanflugs auf den Smith Reynolds Airport, den nächstgelegenen Flughafen.
Dort landete die Nationalmannschaft am Montag um 13.20 Uhr (Ortszeit) und bezog anschließend ihr WM-Quartier im „The Graylyn Estate“, einem schlossähnlichen Luxus-Anwesen mit weitläufigen Parkanlagen, das einst zu den größten Privatresidenzen North Carolinas gehörte. Aufgrund seiner altehrwürdigen Optik und der Temperaturen im Sommer – aktuell zeigt das Thermometer jeden Tag rund 33 Grad an – wird das Anwesen von Einheimischen als „Hogwarts der Hitze“ bezeichnet. Die Kulisse drumherum, die von Wäldern, Feldern und kleinen Dörfern geprägt ist, steht im krassen Kontrast zu Chicago, wo die Nationalelf die vergangenen Tage verbracht hatte. Daher stellt sich die Frage, wie die Nationalspieler auf ihre neue Heimat für die nächsten Wochen reagieren.
In Chicago kosteten die DFB-Stars das Großstadtleben noch in vollen Zügen aus: Immer wieder traf man die Spieler bei Spaziergängen durch das noble Gold-Coast-Viertel und die berühmte Einkaufsstraße „Magnificent Mile“. Manuel Neuer und Jonas Urbig schlenderten am Lake Michigan entlang, Aleksandar Pavlović und Nathaniel Brown gingen shoppen, Nick Woltemade und Kai Havertz in angesagte Cafés. Und eine Gruppe von rund 15 Spielern um Leon Goretzka, Nico Schlotterbeck, Pascal Groß und Maxi Beier feierte am Samstagabend im „Tao“-Klub bei einem Auftritt des weltberühmten „DJ Snake“.
All das war genauso geplant, erklärte Julian Nagelsmann nach dem 2:1-Erfolg gegen die USA, woraufhin er der Mannschaft für den Sonntag einen freien Tag einräumte: „Die Jungs können machen, was sie wollen. Es ist eine schöne Stadt, da kann man was erleben“, so der Bundestrainer. „Danach ist der volle Fokus aufs Turnier, davor dürfen sie das noch einmal genießen.“
Dieser Fokus beginnt jetzt. Im Vergleich zu den Möglichkeiten der Millionenmetropole Chicago und der Anonymität, die eine amerikanische Großstadt bietet, wartet nun eben Winston-Salem. In der 250.000-Einwohner-Stadt gibt es bis auf ein paar Einkaufszentren nicht viel zu besichtigen. Und gerade weil die Stadt so klein ist und wenig andere Attraktionen liefert, fallen deutsche Nationalspieler zwangsläufig mehr auf – was gemütliches Schlendern zu Cafés deutlich erschweren dürfte.
Stattdessen werden die DFB-Stars nun den Großteil ihrer Zeit im schlossähnlichen Graylyn Estate verbringen. Wie sehr Abgeschiedenheit zusammenschweißen kann, zeigte das Campo Bahia 2014 in Brasilien. Wie schnell sich aber auch ein Lagerkoller einstellen kann, bewies das russische Watutinki-Camp im Jahr 2018.V. TSCHIRPKE, M. BONKE