ZUM TAGE

Die Fifa schützt ihre eigene Familie nicht

von Redaktion

Keine Einreise für somalischen Referee

Die Kommunikations-Abteilung der Fifa arbeitet gerade auf Hochtouren. Fast stündlich werden Frohbotschaften verkündet: Starbesetzungen bei den Eröffnungsfeiern! Kooperation mit den Rolling Stones! Und dazwischen immer wieder ein Rührstück: „Letters that unite“, Briefe, die die vereinigende Kraft des Fußballs beschwören – sie lässt der Weltverband gerade von einigen der Spieler schreiben. „Die WM verbindet Menschen über Generationen, Kulturen, Kontinente“, so lautet der Erklärtext dazu.

Was es nicht gibt: einen Brief des irakischen Spielers Aymen Hussein, der sich über angeblich sieben Stunden von der US-Einwanderungsbehörde hat befragen lassen müssen. Ebenso fehlt eine über die Fifa-Kanäle verbreitete gefühlige Schilderung des somalischen Schiedsrichters Omar Artan, der mit Visum nach Miami gereist war und dem dort beschieden wurde: Nein, du nicht. Er hat sich in seinem Bereich für die WM qualifiziert – und darf nun nicht Teil von ihr sein.

Ist man den USA wohlgesonnen, kann man argumentieren: Ist doch ganz gut, wenn die eine Behörde so unabhängig ist, dass sie Entscheidungen einer anderen aufheben kann. So funktioniert das mit den „Checks and Balances“, sie sind ein System, das das Land über Jahrhunderte getragen und davor bewahrt hat, endgültig in eine Richtung zu kippen. Doch man kann in diesen speziellen Fällen ebenso einen tief wurzelnden Rassismus erkennen, in dem Ressentiments gegenüber einem anderen Land einfach mal auf die konkrete Person übertragen werden. Daran wird der Fußball trotz der hehren Phrasen, die er drischt, nichts ändern können; so stark ist er nicht. Aber die Fifa müsste die Kraft und vor allem den Mut haben, wenigstens für die Dauer des Turniers, für andere Verhältnisse zu sorgen.

Wenn die Fifa schon von der „Fußball-Familie“ spricht, dann muss sie sie schützen. Die Akteure müssen unantastbar sein – und alle, die kommen wollen, sollten kommen dürfen. Fußball ist so groß, weil er sich auf die Fahnen geschrieben hat, „for everyone“ zu sein; es gibt keine Schwellen. Schon dass Fans aus einigen Ländern nicht einreisen dürfen – dem hätte Gianni Infantinos Verband längst entgegenwirken müssen. Vor acht Jahren in Russland und 2022 in Katar hat die Fifa das hinbekommen – jetzt duckt sie sich feige weg. Sie ist zum 51. Bundesstaat der USA geworden.

Am Mittwoch gibt Infantino eine seiner seltenen Pressekonferenzen. Wahrscheinlich wird er sagen: „Today I feel Somalian. Today I feel referee.“ Es wird die nächste falsche Show sein.

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