Das iranische Team (links) verlegte sein Camp nach Mexiko, Schiedsrichter Artan durfte nicht einreisen – oben Senegals Spieler im Security-Check. © Bull/dpa, X, afp
Usbekische Spieler wurden kontrolliert – Gegner Niederlande nicht.
Washington – Joshua Kimmich und Leon Goretzka steigen aus dem Flieger, bereit und motiviert für die WM – und prompt werden sie von US-Beamten abgeführt, noch auf dem Rollfeld einer Leibesvisitation unterzogen, mit Detektoren untersucht. Empfang mit gespreizten statt mit offenen Armen. Undenkbar? Nicht in den USA von Donald Trump. Auch andere WM-Teilnehmer mussten diese Behandlung über sich ergehen lassen – wohlgemerkt bei der Ankunft, nicht beim üblichen Security-Check vor einem Flug. Ein senegalesischer Journalist teilte ein Video auf X, das schnell in den Sozialen Medien die Runde machte. Eine offizielle Stellungnahme der Fifa oder der US-Behörden gab es bis Redaktionsschluss nicht, schlussendlich durften die Sportler einreisen.
Für Omar Artan dagegen war am Flughafen von Miami Endstation. Der Schiedsrichter aus Somalia legte ein gültiges Visum vor, doch das genügte nicht. „Bedenken bei der Sicherheitsprüfung“ hätten eine Einreise verhindert, teilte die US-Grenzbehörde mit. Noch am selben Tag saß der beste Referee Afrikas in einem Flugzeug in Richtung Istanbul. Mikel Obi meldete sich mit klaren Worten: „Wenn ich ehrlich bin, wirkt die Entscheidung, die Weltmeisterschaft in den USA auszurichten, zunehmend wie eine der umstrittensten Entscheidungen in der Geschichte der FIFA“, sagte er, „Eigentlich sollte dies ein historischer Moment sein: Er wäre der erste somalische Schiedsrichter bei einer Weltmeisterschaft gewesen. Stattdessen wird jetzt über Einwanderungs- und politische Themen gesprochen.“
Beide Vorkommnisse sind keine Einzelfälle. Fans oder Offizielle aus Haiti, Somalia, Senegal, der Elfenbeinküste, Irak oder Iran dürfen nicht einreisen oder haben mit Einschränkungen zu kämpfen, selbst etlichen schottischen Fans wurde laut BBC kein Visum erteilt. Auch Journalisten aus den betroffenen Ländern werden Knüppel zwischen die Beine geworfen. Der Internationale Sportjournalisten-Verband AIPS teilte dazu mit: „Die Fälle sind zahllos und nicht zu akzeptieren“, AIPS-Chef Gianni Merlo forderte den Weltverband zur Intervention bei den US-Behörden auf.
Während bei der Einreise US-Gesetze geltend gemacht werden, löst der Fall der Mannschaft Usbekistans noch größeres Unbehagen aus: Als sie für ihr Testspiel gegen die Niederlande in New York eintraf, wurde sie bereits von der Stadion-Security erwartet und schließlich mit tragbaren Metalldetektoren überprüft. „Sie sagten zu mir, das seien die Regeln, aber am Ende wurden nur wir kontrolliert“, sagte Trainer Fabio Cannavaro. Das emfinde er als „merkwürdig“, sagte der frühere Weltfußballer und Weltmeister von 2006. Zumal auch noch ein Spürhund die Taschen der Spieler beschnüffelte, nachdem diese vom Stadionpersonal aus dem Gepäckfach des Busses entladen worden waren. Immerhin: Usbekistan verkaufte sich teuer und unterlag der Elftal von Trainer Ronald Koeman nur knapp mit 1:2 (0:1).
Fifa-Boss Gianni Infantino saß derweil mit Donald Trump im Weißen Haus zusammen. Gemeinsam streckten beide ihre Daumen in die Kameras.