Schluss mit lustig: Investor Hasan Ismaik. © Imago
Spezialist für Fälle um „5 nach 12“: Peter Gauweiler (76) gilt als kompromissloser Jurist. © Gollnow/dpa
München – Eine Woche ist es jetzt her, dass die Löwen ihren Drittliga-Status versenkt und damit den Endkampf mit Hasan Ismaik ausgelöst haben. Zuletzt schien es, als würden beide Seiten nach dem Schock des „Schwarzen Mittwoch“ erst einmal Luft holen. Die Vereinsführung arbeitete am Neustart, Ismaik hielt sich auffallend zurück. Doch die Ruhe war trügerisch. Denn Ismaik hat nicht irgendeinen Anwalt engagiert. Er hat Peter Gauweiler engagiert.
Nach Informationen unserer Zeitung erhielt der 76 Jahre alte Münchner Jurist bereits am Freitag das Mandat des jordanischen Investors. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete zuerst darüber. Für die e.V.-Seite des TSV 1860 ist das eine Nachricht mit Sprengkraft.
Denn Gauweiler gilt als einer der erfahrensten und kompromisslosesten Anwälte des Landes. Im Raum steht der Vorwurf einer absichtsvoll in Kauf genommenen Insolvenz, um den ungeliebten Mehrheitsgesellschafter loszuwerden. Das wäre dann kein vereinsinternes Problem mehr, sondern ein Fall mit möglicherweise strafrechtlicher Relevanz.
Die Argumentationslinie der Ismaik/Gauweiler-Seite: Der Investor habe vor Ablauf der DFB-Frist eine Millionensumme angeboten, mit denen sich der Absturz hätte verhindern lassen. Im Gegenzug hätte die Vereinsseite allerdings Compliance-Regelungen akzeptieren müssen. Aus Sicht Ismaiks wäre der Gang in die Regionalliga vermeidbar gewesen.
Gauweiler gilt als kompromissloser Rechtsexperte
Stattdessen entschieden sich die Löwen für den Absturz – und für die Hoffnung auf einen kompletten Neustart. Die Idee dahinter: Ein Neuanfang wie Phönix aus der Asche, endlich ohne den jahrelangen Machtkampf mit dem Jordanier.
Doch genau dieser Plan könnte jetzt zum Bumerang werden. Ratsam jetzt aus der Sicht von Ismaik/Gauweiler: möglichst rasch eine Gesellschafterversammlung einzuberufen. Dort müssten beide Lager die Bedingungen einer Trennung verhandeln und eine Lösung finden, die weiteren Schaden vom Club fernhält. Gelingt dies nicht, könnte die Angelegenheit schnell schmutzig werden.
Wer Gauweiler kennt, weiß, dass er Auseinandersetzungen nicht scheut. Sein Name steht seit Jahrzehnten für politische und juristische Machtkämpfe auf höchster Ebene. Plötzlich geht es also nicht mehr nur um die Frage, in welcher Liga die Löwen künftig spielen. Sondern darum, wer am Ende die Verantwortung für den Absturz trägt.ULI KELLNER