Oh là là: Olise schießt sich schon mal warm

von Redaktion

Dreierpack: Bayer nährt Frankreichs Hoffnungen

Nicht zu stoppen: Olise traf dreifach. © Fife/AFP

Olises Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 macht Frankreich Hoffnung für die WM. © Autissier/WITTERS

München – In aller Munde war Michael Olise in den vergangenen Tagen schon, ohne dass er viel dafür leisten musste. 45 Minuten und eine Niederlage gegen die Elfenbeinküste – und trotzdem beherrschte der 24-Jährige die Schlagzeilen in Deutschland und Spanien. Bisher wartet man auf das ominöse 150-Millionen-Euro-Angebot, das von Real Madrid beim FC Bayern einflattern sollte. Aber dass Olise selbst das Gerede um einen möglichen Wechsel zu den Königlichen sowieso kalt lässt, zeigte er am Montagabend: Gleich drei Treffer gelangen dem Bayern bei der Generalprobe der französischen Nationalmannschaft gegen Nordirland (3:1). So wird man zum Mann des Abends, zur Hoffnung einer ganzen Nation – und schreibt nebenbei noch ein bisschen Geschichte.

Schon zwei Tore hätten nämlich gereicht, um zu David Trezeguet als erfolgreichsten Nationalmannschafts-Neuling aufzuschließen. Dem Welt- und Europameister waren in seinen ersten 17 Spielen für die Équipe Tricolore sechs Treffer gelungen, nach seinem ersten Dreierpack steht Olise nun bei sieben in genauso vielen Partien. Dafür gab es nicht nur Lob von allen Seiten, sondern auch Höchstnoten in der nicht immer ganz unkritischen Heimat. „Man of the match“ war Olise sowieso, die französische Presse überschlug sich. „Die Zuschauer wurden im Stade Pierre-Mauroy in Villeneuve-d‘Ascq mit der Brillanz von Michael Olise verwöhnt“, schrieb die L‘Équipe. Hervorgehoben wurde vor allem die „Paradedisziplin“ des Flügelstürmers: „Er umkurvte die Verteidiger, wartete auf den richtigen Platz und schlenzte seinen berühmten Linksschuss an den Pfosten.“

In „Arjen-Robben-Manier“ hatte Olise das auch bei diversen seiner 22 (!) in der abgelaufenen Bayern-Saison gemacht – nicht ohne Grund wird der öffentlich introvertierte Franzose immer wieder zum Top-Kandidaten auf den Ballon d’Or erklärt. Was es dafür braucht, ist aber auch klar: Titel – am besten international. Mit dem FC Bayern war im Halbfinale der Königsklasse Schluss, im Nationalteam von Didier Deschamps soll es bei der WM zwei Schritte weiter gehen: Ins Finale – und auf den Thron von New York.

Startschuss der Mission ist am Dienstag der kommenden Woche gegen Senegal. Weitere Gegner in der Gruppe I sind Irak und Norwegen. Und daran, dass Frankreich die Vorrunde gewinnt, haben Experten keine Zweifel. Bisher sah man ja erst einen Teil der Offensivpower, die Deschamps auf den Rasen bringen kann. Bewusst hat der Coach des zweimaligen Weltmeisters den Champions-League-Siegern Desiré Doué und Ousmane Dembelé (beide Paris St. Germain) sowie William Saliba (FC Arsenal) Zeit gegeben, sich schrittweise zu integrieren. Gegen Nordirland standen sie nun in der Startformation – und wirbelten sich mit Olise warm.

Der Matchwinner wurde in der 82. Minute ausgewechselt. Sein Statement hatte er zuvor schon gesetzt. Nach München, Madrid, in die USA – in alle Richtungen.H. RAIF, M. BONKE

Artikel 1 von 11