Feuer frei: PS-Show in den USA.
Von wegen WM-Wahnsinn: Stock-Car bestimmt das Geschehen. © Walter (2)/Imago
Winston-Salem – Manchmal verraten kleine Nachfragen am meisten: „Warum sind denn hier so viele Deutsche?“, schallte es am Montagnachmittag durch das Yamas-Restaurant in Winston-Salem, nachdem der Autor dieses Textes seine Bestellung aufgegeben hatte (und sich womöglich durch seinen deutschen Akzent verriet).
Auf die Antwort, dass die deutsche Nationalmannschaft hier ihr WM-Quartier aufgeschlagen habe und entsprechend Fans und Reporter in der Stadt erwartet werden, folgten ungläubige Blicke. „Verrückt, das habe ich überhaupt nicht mitbekommen.“ An anderer Stelle wurde man, nachdem man sich als Reporter bekannt gab, bereits gefragt, wie denn das erste WM-Spiel ausgegangen sei. Zwar zog das öffentliche Training der DFB-Elf am Montagabend 3000 Fans an, diese kamen aber größtenteils aus umliegenden Städten wie Greensboro. Von WM-Euphorie ist in Winston-Salem, dem Ort, an dem die Nationalmannschaft die nächsten Wochen verbringt, bislang wenig zu spüren – und das hat einen Grund: Stock-Car-Racing.
Die Rennsportart ist in den USA deutlich populärer als in Europa, in Winston-Salem aber ganz besonders. „Viele Rennfahrer leben in Charlotte, der nächstgrößten Metropole“, erklärt Matt Rose, der seit Jahren in Winston-Salem lebt und selbst großer Stock-Car-Fan ist. „Außerdem stammt die Marke Winston, nach der der berühmte Winston Cup benannt war, von hier. NASCAR hat in dieser Region eine riesige Tradition. Das interessiert die Menschen deutlich mehr als Fußball.“
Und so ist der wichtigste Ort in der Stadt, zumindest für viele Sportfans, nicht das Dennie Spry Soccer Stadium, sondern das Bowman Gray Stadium – bekannt unter einem deutlich einprägsameren Namen: „The Madhouse“ („Das Irrenhaus“). Auf der nur rund 400 Meter langen Strecke finden seit 1949 NASCAR-Rennen statt. Weil die Kurven eng sind und die Autos dicht beieinander fahren, kommt es regelmäßig zu Berührungen, Unfällen und hitzigen Duellen. Genau dieser raue Charakter machte das Madhouse weit über North Carolina hinaus berühmt – und lief in Winston-Salem anderen Sportarten wie Fußball den Rang ab.
Mal schauen, ob das während der WM so bleibt. Am Samstag steht jedenfalls das „Tuff Shed Twin 50‘s“ -Rennen im Madhouse an – es dürfte in Winston-Salem mehr Anklang finden als die WM.VT