Ein Stück Popkultur: Franz Beckenbauer und Gerd Müller in den 70er-Jahren als Stars im Soccer. © SVEN SIMON
Sind die USA ein Fußball-Land? Die Antwort kann Helmut Kuhn geben, Journalist, der in den USA gelebt und über Soccer ein Buch geschrieben hat („The Ball Is Round“, dtv, 15 Euro).
Die Fußball-Ligen existieren nebeneinander, sie sind schwer vergleichbar, oder?
Es gibt kein Pyramidensystem, wie wir es kennen. Keine Auf- oder Abstiegsmöglichkeit. Die United Soccer League, die etwas kleiner ist als die große Major League Soccer (MLS), versucht sich an einem Drei-Stufen-System, das durchlässig ist.
Früher wurde viel an den Regeln herumexperimentiert. Fliegende Wechsel, Penaltys statt Strafstößen. Heute?
Die wilden Zeiten sind vorbei. Das Experimentieren ging bis zur Idee eines Soccer Slam, bei dem Fußball und Catchen kombiniert werden sollten. Der normale Fußball setzt sich jetzt schon durch – wobei er für den amerikanischen Konsumenten immer noch ziemlich torlos ist. Und Schwalben sind zutiefst unamerikanisch.
Jürgen Klinsmann hat als US-Coach ganz gut gepasst, oder?
Es bot sich bei ihm als Wahl-Kalifornier an. Er muss mitgekriegt haben, dass da der Wurm drin ist. Ich finde, er ist am eigenen Laden gescheitert, vor allem an der MLS. Verschiedene Unternehmer sind ihm in den Rücken gefallen. 2014 ging es ihm nicht darum, so weit wie möglich zu kommen, er hatte schon 2018 im Blick. Dass man erst mal übt, das war den Amerikanern nicht zu verkaufen.
Sie schreiben, Soccer habe noch enormes Potenzial durch Spieler mit lateinamerikanischem Hintergrund?
Das System ist das „Pay to Play“, 3000 Dollar im Jahr kostet es, in einem vernünftigen Club spielen zu können, für arme Familien ist das nicht zu stemmen. Die USA könnten aus einem wahnsinnigen Potenzial schöpfen. Bei den Hispanics ist die Begeisterung groß – als Fans und als Spieler. Lionel Messi bei Miami hat einen Riesen-Impact.
Kurz vor der WM verspüren wir ein Unbehagen, wie das alles sein wird? Wie geht es Ihnen?
Wenn es losgeht, ist es wie bei jeder WM: Letzten Endes siegt die Begeisterung. Vieles ist widrig, doch wir haben gesehen, dass die gemischten WMs ihren Reiz haben. Wichtig wäre, dass die Amerikaner weit kommen – umso größer wäre auch der Effekt auf den US-Soccer.
INTERVIEW: GÜNTER KLEIN