KOMMENTAR

Ein letztes Mal Gretchenfrage

von Redaktion

Auftritt von Ronaldo und Messi

Rein theoretisch wäre es möglich gewesen – denn bis vor ein paar Wochen stand Lukas Podolski ja noch bestens im Saft. Erst im Mai beendete der 40-Jährige seine Karriere, standesgemäß als polnischer Pokalsieger. Hätte Julian Nagelsmann es gewollt, der „Poldi“ hätte sicher nicht Nein gesagt. 20 Jahre, nachdem sein Stern bei der WM in Deutschland aufgegangen ist, hätte sich der „Kölsche Jung“ dann noch einmal messen können mit denjenigen, die er damals in den Schatten gestellt hat. Ja, tatsächlich: Als Lionel Messi und Cristiano Ronaldo ihre erste WM spielten, ging der Award für den besten jungen Spieler nicht an einen der beiden Galaktischen – sondern an Podolski.

Inzwischen ist es so lange her, dass die meisten es vergessen haben. Und allein das zeigt schon vor der sechsten Endrunde mit Ronaldo- und Messi-Beteiligung, wie unnachahmlich diese Karrieren sind. Beim wohl letzten Tanz ist nicht nur Podolski Zuschauer, sondern hunderte andere Spieler, die kamen und gingen, ohne die beiden nimmersatten Ausnahmekönner nur ansatzweise zu überstrahlen. Auch wenn sie ihre beste Phase naturgemäß hinter sich haben: Ein direktes Duell in den USA wäre eines für die Geschichtsbücher. Möglich ist es im 100. von 108 Spielen, am 12. Juli in Kansas City. Ein Viertelfinale zwischen Portugal und Argentinien? Das hätte was!

Die Gretchenfrage des Fußballs – „Messi oder Ronaldo?“ – würde es final nicht beantworten. Aber sie benötigt auch keine Eindeutigkeit. Vielmehr zeigen die beiden parallel gegangenen und verzahnten Laufbahnen, wie unterschiedlich der Weg zu maximalem Erfolg verlaufen kann. Man kann schüchtern sein oder extrovertiert, über gottgegebenes Talent verfügen oder unbändige Akribie: Sich selbst treu zu bleiben, ist stets das Beste. Grüße gehen damit raus an Lamine Yamal, Nico Paz, Yan Diomande, Luka Vuskovic und die anderen Youngster, deren Namen man sich merken sollte. Zumindest für die Zeit dieser WM.

Artikel 1 von 11