Er schreibt noch immer

von Redaktion

Klinsmanns Erbe: DFB-Dolmetscher Thomas Schnelker und seine besondere Aufgabe

Thomas Schnelker fungierte unter Jürgen Klinsmann als Dolmetscher. © Fassbender/IMAGO

Winston-Salem – Als Jürgen Klinsmann 2004 Bundestrainer wurde, hielten viele Neuerungen Einzug beim DFB. Klinsmann wollte die Spieler ganzheitlich fordern, und dazu gehörte nicht nur das Training mit den Gummibändern unter Anleitung amerikanischer Fitnesstrainer. Angestrebt wurde auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den jeweiligen Gegnern der Nationalmannschaft. Man sollte sie kennen, verstehen, sozusagen kulturell durchdringen. „Ich fand das sehr richtig“, sagt Thomas Schnelker noch heute.

Schnelker ist Dolmetscher des DFB und mit seinen Fachbereichen Englisch und Spanisch auch bei dieser WM im Einsatz (seine erste war ebenfalls die in den USA, 1994). Als Klinsmann 2004 zum DFB kam, bat er Schnelker, für die Spieler immer ein Exposé zu schreiben: Welche Geschichte hat Costa Rica? Was beschäftigt Ecuador? Welche Rolle spielt der Fußball in Polen, in Argentinien? Schnelkers liebevoll gestaltete Dokumente gingen direkt an die Spieler.

Gut zwanzig Jahre später verfasst der Offenbacher immer noch mit Leidenschaft seine Texte, gerade hat er den zu Curaçao geschrieben und 17 Seiten zu den USA, dem WM-Gastgeber. Die Spieler erreicht er damit wohl nicht mehr, er schickt seine Berichte an das Teammanagement. Zumindest weiß er: Sie gehen weiter an die Delegation. So wie Politiker von ihren Stäben gebrieft werden, geschieht das auch beim DFB. „Es macht mir einfach Spaß, das zu schreiben“, sagt Schnelker. Er tut das vornehmlich unter dem Aspekt Fußball – „aber, ich kann’s halt nicht lassen, etwas Politik und Geschichte“.

Thomas Schnelker macht es jedenfalls korrekt und im Bewusstsein, dass man sich auch vor einem kleinen Kreis an Lesern nicht zu einem Pamphlet hinreißen lassen darf. Über seinen internen Aufsatz über die USA hat er den Vermerk geschrieben: „Keine KI-Nutzung, wertende Aussagen reflektieren nicht offizielle DFB-Sicht.“GÜNTER KLEIN

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