Eine Stunde sprach Gianni Infantino am Mittwoch zur Fußballwelt. Eine halbe davon war ein Monolog. © Verdugo/dpa
Ohne ihn geht nichts: Infantino über Trump. © Martin/dpa
Mexiko-Stadt – Eine Stunde Pressekonferenz mit Gianni Infantino bedeutet: Eine halbe Stunde spricht der Fifa-Präsident, bevor die erste Frage zugelassen wird. Zunächst ist das, was in Mexiko stattfindet, die große Gianni-Infantino-Show. In die eine Hand nimmt er den Ball, der vor ihm liegt: „In ein paar Stunden wird er rollen.“ Dann greift er nach dem Weltpokal, der ebenso aufgestellt wurde: „In ein paar Wochen wird er vergeben.“ Bienvenido, willkommen, welcome zum „größten Ereignis in der Geschichte der Menschheit“. In Zahlen: „Wir werden 6,5 Millionen Zuschauer in den Stadien haben und 6 Billionen vor dem Fernsehgeräten – sie müssen nichts bezahlen.“ Schon da ist klar: Infantino wird sich die Welt zurechtreden, wie sie ihm gefällt – und er erwartet, dass alle seine Ansicht teilen.
Er hat die erwartbaren drei großen Themen benannt, bevor die Fragen dazu gestellt wurden. Iran: Bei der WM – dank ihm. „Im März habe ich das Team besucht und versprochen: Ich hole euch mit dem Bus aus Teheran ab. Und sie sagten, dass sie schon selbst fahren. Das ist der Spirit des Fußballs.“
Thema Visa: „Chillt, relaxt, vertraut uns, wir arbeiten daran“, sagt Infantino. Grundsätzlich sagt der Trump-Freund: „Aber wir stehen nicht über Regierungen.“ 300.000 Personen seien für die WM akkreditiert, da könne es den einen oder anderen Fall geben. Und am von den Restriktionen der USA abzulenken, macht Infantino eine andere Geschichte auf: die des französischen Journalisten Christophe Gleizes, der in Algerien in Haft sitzt. Die Fifa hat ihn demonstrativ für die WM akkreditiert und Infantino die Eltern zum Spiel Frankreich – Senegal eingeladen.
Schließlich die Preise: Infantino nimmt die Opferrolle ein. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani werde gefeiert, weil er 1000 Karten zu je 50 Dollar organisiert habe – „und ich habe ihm auch gratuliert. Wir aber haben 130.000 Tickets für 60 Dollar ermöglicht.“ Infantino sagt: „Wir richten uns nach den lokalen Begebenheiten.“ Seine Vergleichsgröße sind die Preise der US-Sportarten in den Playoffs. Und da läge die günstigste Karte über den 60 Dollar der Fifa der Durchschnittspreis sei ebenso höher als der bei der Fußball-WM, wo er bei 500 Dollar liegt. Und das Geld, so argumentiert er, fließe in den Fußball: „Niemand investiert im Südsudan und in Osttimor – nur wir.“
Im Schatten des Aztekenstadions schwelgt Infantino in Nostalgie: „Hier wurden Pelé und Maradona Weltmeister, hier fand das Jahrhundertspiel zwischen Italien und Deutschland statt. Ich habe Gianni Rivera, den Schützen des 4:3, zum jetzigen Eröffnungsspiel eingeladen.“ Er pariert noch eine letzte Frage, ob es sinnvoll gewesen wäre, Donald Trump einen „Peace Price“ verliehen zu haben, er sagt: „Ohne ihn wäre das nicht zu organisieren gewesen. Er hat die Größe und den Einfluss des Turniers sofort verstanden.“ Das war‘s, Infantino erhebt sich und ruft: „Genießt den World Cup!“GÜNTER KLEIN