Bundesliga-Erfahrung: Tahith Chong spielte für Bremen. © Poultney/Imago
Curacao – Tahith Chong ist ehrlich. Wenn es die WM 2006 in Deutschland nicht gegeben hätte, würde der einzige geborene Curacaoer im WM-Kader des Außenseiters vielleicht gar nicht kicken. Das Sommermärchen hat in seiner Vita einen speziellen Platz – es weckte sein Fußball-Interesse.
Dass es gleich zum Auftakt in Houston gegen Deutschland geht (Sonntag 19 Uhr MESZ/ARD), macht die Sache erst richtig rund. Der 26-Jährige mit seiner Wuschelfrisur ist nämlich für die Bundesliga kein Unbekannter: Im August 2020 verständigte sich der SV Werder auf ein Leihgeschäft mit Manchester United. Dieses endete 2021 allerdings vorzeitig. Die Bilanz: 13 Bundesligaeinsätze, kein Tor. Allerdings war die Eingewöhnung mitten in der Corona-Pandemie für Neuzugänge wie ihn extrem schwierig.
Inzwischen hat sich Chong nach diversen Wechseln in England etabliert. Allerdings eine Etage unterhalb der Premier League. Über Luton Town landete er im August 2025 beim Zweitligisten Sheffield United – gleichzeitig entschloss er sich vor anderthalb Jahren, für sein Heimatland anzutreten. Denn: „Jeden Sommer und praktisch in jedem Urlaub kehre ich nach Curacao zurück. Wenn ich dort bin, fühlt es sich an, als wäre ich wieder daheim. Man geht dorthin, wo man sich zu Hause fühlt.“
Sein Debüt für die „Blue Wave“ (Blaue Welle) konnte damals sogar seine 96 Jahre alte Großmutter vor Ort verfolgen.„Sie hatte mich oft im Fernsehen gesehen, aber Reisen waren in ihrem Alter schwierig. Dass sie mich auf dem Platz gesehen hat, war unglaublich“, erinnert sich Chong, dessen Oma zwei Monate später versterben sollte. Und er ahnte noch nicht, dass mit der WM-Qualifikation eine Märchengeschichte folgen würde. Kicker, von denen bis auf Chong ja keiner von der nur 444 Quadratkilometer großen Insel vor Venezuela stammt, wuchsen unter Trainer-Oldie Dick Advocaat über sich hinaus. Nie hat sich ein kleineres Land je für eine Endrunde qualifiziert.
„Ich glaube nicht, dass die Insel seitdem noch geschlafen hat. Die Menschen genießen jeden Moment, die Stimmung ist unglaublich. Normalerweise gibt es dort viele Fans von Brasilien oder Argentinien. Aber diesmal ist alles anders“, so Chong. „Jeder wird vor dem Fernseher sitzen, wenn wir Geschichte schreiben.“FH