Wer wird der Liebling der ganzen Welt?

von Redaktion

Sieger der Herzen: Der gewonnene Afrika-Pokal wurde dem Senegal wieder genommen. © MORCHIDI/EPA

München – Curacao hat exzellente Chancen. Es ist klitzeklein, vermittelt karibische Gefühle. ist politisch unverdächtig – und es gibt bereits ein erstes Indiz für die Beliebtheit dieses Teilnehmers an der Fußball-WM 2026. Bevor das Turnier losgeht, sind die Trikots schon ausverkauft, zumindest das für die Auftritte als Auswärts-Team. Und klar: Ausrüster Adidas ist die Auflage mit einer kleineren Stückzahl angegangen als bei den großen Nationen.

Bei großen Turnieren kann sich eine Nation zum Liebling vieler entwickeln. 1990 jubelte man Kamerun um Roger Milla zu, der seine Tore mit einem Lambada an der Eckfahne feierte. 2002 wurden global die friedliche Fankultur von Co-Gastgeber Südkorea und sein bis ins Halbfinale führender Lauf bestaunt. 2010 in Südafrika weckte Ghana Begeisterung, der ganze Kontinent versammelte sich hinter dem stärksten Team. 2018 riss Kroatien viele mit, auch weil die Präsidentin die Spiele im Nationaltrikot verfolgte wie ein gewöhnlicher Fan. 2022 war die WM von Marokko.

Und 2026? Wir haben mal bei ein paar schlauen Köpfen nachgefragt – beim German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg, auch bekannt als Leibniz-Institut. „Durch den Modus“, so erwartet es Professor Matthias Basedau, Experte für Afrika, „wird es Überraschungsmannschaften geben.“ Von 48 Startern kommen 32 in die K.-o.-Runde. Da deutlich mehr klare Außenseiter als Favoriten antreten, könnte ein nicht hoch gewettetes Team mit etwas Glück in die Top 16 oder besten Acht gelangen. „Ein ganz kleines Land, das erstmals dabei ist, Erfolg hat und nicht Beton anrührt“ – darin sieht Professor Andre Bank, der Nahost-Experte, ein mögliches Muster für den künftigen Publikumsliebling. Aus der Region Nordafrika/Naher Osten hat sich die Rekordzahl von neun Mannschaften qualifiziert, auch Afrika ist stärker denn je. „Sechs subsaharische Staaten“ zählt Basedau – „und vier von ihnen sind Demokratien, sodass nicht zu befürchten ist, dass der Erfolg von Autokratien instrumentalisiert wird“. Auch das hat Einfluss, ob man ein Team mag.

Was wohl nicht geschehen wird, so Kenner Bank: Dass Iran zum Darling des Nahen Ostens wird, „denn Iran hat arabische Staaten angegriffen, die bei der WM spielen: Katar, Saudi-Arabien, Jordanien.“GÜNTER KLEIN

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