El Presidente will nur chillen

von Redaktion

Wie Fifa-Boss Infantino in seine viel kritisierte WM geht

Bosse unter sich: Gianni Infantino mit Donald Trump (links) © Esquivel/EPA, Magallon/AFP, Martin/dpa

So geht das: Fifa-Boss Infantino mit Mexikos Präsidentin Sheinbaum. © AFP

Alarmiert: Mexikos Polizeikräfte.

Mexiko-Stadt – Die Begrüßung auf Spanisch mit dem Titel „El Presidente“ gefiel Gianni Infantino so gut, dass er sie gleich mal wiederholen ließ. Was danach in Mexiko-Stadt folgte, war ein rund einstündiger Ritt von „El Presidente“ des Weltverbands Fifa durch die Vielzahl der kontroversen Themen kurz vor dem Start der 23. Fußball-WM. „Chill, relax“, lautete dabei seine lapidare Botschaft beim Blick auf all die Probleme rund um die Endrunde – die Infantino tatsächlich als das „wahrscheinlich größte Event in der Geschichte der Menschheit“ bezeichnete.

Die Kritik an Infantinos Einlassungen unter dem Motto „beruhigen und entspannen“ ließ nicht lange auf sich warten. „The Independent“ ging besonders hart mit dem Schweizer ins Gericht. „Gianni Infantinos wirre Rede im Trump-Stil ist ein chaotischer Auftakt zur WM“, kommentierte die britische Zeitung den Auftritt des Fifa-Präsidenten wenige Stunden vor dem Eröffnungsspiel am Donnerstag (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) zwischen Mexiko und Südafrika.

Verweigerte Einreisen wie im Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Artan, Wucher bei den Ticketpreisen, Kritik an den Maßnahmen der US-Regierung, Nahost-Krieg, seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump – all die heiklen Themen ließ Infantino ziemlich geschmeidig an sich abprallen. „Es gibt Herausforderungen. Aber wir arbeiten an allem, wir versuchen, alles zu lösen“, sagte der 56-Jährige: „Wir müssen respektieren, dass wir nicht die Könige der Welt sind, die über Regierungen und Polizeikräfte herrschen können. Wir sind eine Sportorganisation.“

Und jener Sportorganisation, die mit Einnahmen von 11 bis 13 Milliarden Dollar bei der Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada rechnet, sollten laut Infantino doch bitte alle vertrauen. „Leider ist unsere Welt eine sehr gefährliche und aggressive Welt, und die Sicherheit steht über allem. Man muss die Entscheidungen respektieren, die getroffen werden“, äußerte der Fifa-Boss: „Und wenn ich sage, man solle entspannt bleiben, meine ich nicht, dass man nichts tun soll. Ich meine, dass man darauf vertrauen soll, dass wir hinter den Kulissen arbeiten.“

Natürlich auch im Zusammenspiel mit Trump. Seine enge Beziehung zum US-Präsidenten verteidigte Infantino einmal mehr. Ohne das Engagement und die Einbindung Trumps „wäre es meiner Meinung nach schlicht unmöglich gewesen, eine WM in den Vereinigten Staaten zu organisieren“, sagte Infantino.

Auf die Frage, ob er es angesichts der politischen Spannungen rund um das Turnier bereue, die WM an die USA als Co-Gastgeber vergeben zu haben, antwortete Infantino: „Ich bereue nichts.“ Später ergänzte er: „Wir sprechen hier über die größte Macht der Welt, daher gibt es natürlich bestimmte Dinge, die berücksichtigt werden müssen.“

„Berücksichtigt“ wurde Trump von Infantino schon im vergangenen Dezember bei der Überreichung des neuen „Fifa-Friedenspreises“. Der Weltverband machte bislang nicht öffentlich, nach welchen Kriterien die Auszeichnung vergeben wurde. Die Organisation FairSquare wirft Infantino mehrere Verstöße gegen seine Pflicht zur politischen Neutralität im Umgang mit Trump vor und reichte Beschwerde bei der Fifa-Ethikkommission ein.

Trotz all dem will sich Infantino selbstverständlich nicht von seiner Mission abhalten lassen. „Wir wollen die Welt vereinen“, sagte er mit gewohnt großem Pathos – und zeigte sich anschließend fast schon gönnerhaft: „Wenn Sie mich kritisieren wollen, ist das in Ordnung.“

Aber natürlich nur gechillt und relaxed.

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