„Identifikation ist wichtig“

von Redaktion

DFB-Boss Dr. Holger Blask vorm deutschen WM-Auftakt im Interview

Fußball-Fans sollen sich mit der deutschen Auswahl wieder identifizieren, das GHOS möchte dabei helfen. © dpa (2)

Generalsekretär Dr. Blask. © HASSENSTEIN/AFP

New York – Mit dem German House of Soccer (GHOS) in New York möchte der DFB die Stadt, die niemals schläft, erobern. Wie das gelingen soll, erklärt Generalsekretär Dr. Holger Blask im großen Interview.

Herr Blask, wie und wann entstand die Idee des GHOS – und inwiefern hat man sich vom Deutschen Haus bei Olympia inspirieren lassen?

Die Idee ist aus der Frage entstanden, wie wir bei einer Weltmeisterschaft in den USA mehr schaffen können als klassische Turnierbegleitung. Die WM 2026 ist ein globales Sportereignis, aber sie ist auch eine große Chance, deutsche Fußballkultur international erlebbar zu machen. Natürlich kennt man erfolgreiche Formate wie das Deutsche Haus bei Olympischen Spielen. Der Gedanke, einen zentralen Begegnungsort für Sport, Kultur, Medien, Wirtschaft und Gäste aus aller Welt zu schaffen, ist inspirierend. Für uns war aber wichtig, ein eigenes Fußballformat zu entwickeln: offen, nahbar und stark auf Fans und Communities ausgerichtet. Das German House of Soccer soll ein Treffpunkt für alle sein, die deutschen Fußball erleben wollen.

Was erhoffen Sie sich von diesem Projekt?

Wir wollen zeigen, welche Kraft Fußball entfalten kann. Gerade eine Nationalmannschaft lebt nicht nur von sportlicher Leistung, sondern auch von Identifikation, Gemeinschaft und Emotion. Wenn Menschen im German House of Soccer zusammenkommen, gemeinsam Spiele schauen, sich austauschen und Deutschland über den Fußball erleben, dann ist das für uns ein großer Erfolg. Gleichzeitig wollen wir die internationale Wahrnehmung des deutschen Fußballs stärken und neue Kontakte zu Fans, Medien, Institutionen und Communities aufbauen. Kurz gesagt: Wir wollen ein guter Gastgeber für deutsche Fußballkultur in einer der spannendsten Städte der Welt sein.

Sie sind bereits am Dienstag vergangene Woche mit der Mannschaft nach Chicago gereist: Wie erleben Sie bisher die WM-Stimmung in den USA?

Man spürt, dass hier etwas wächst. Die USA sind ein besonderer Sportmarkt, weil Sportereignisse sehr stark als Erlebnis gedacht werden: als Event, als Treffpunkt, als Teil von Kultur und Entertainment. Für den Fußball ist das eine große Chance. Die Begeisterung ist vielleicht anders ausgeprägt als in klassischen Fußballländern, aber sie ist sehr dynamisch. Gerade für internationale Fans, Communities und junge Zielgruppen entsteht rund um diese WM eine besondere Energie. Für uns ist spannend zu sehen, wie Fußball hier Menschen zusammenbringt und welche Impulse wir auch für Deutschland mitnehmen können.

Wann wäre die WM aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht für den DFB ein Erfolg?

Sportlich ist eine Weltmeisterschaft immer dann erfolgreich, wenn die Mannschaft ihr Potenzial ausschöpft, die Menschen begeistert und möglichst lange im Turnier bleibt. Wir wollen eine Mannschaft sehen, mit der sich Fans identifizieren können. Wirtschaftlich geht es nicht nur um kurzfristige Effekte. Natürlich sind Reichweite, Sichtbarkeit und Vermarktung wichtig. Aber für uns zählt auch, ob wir nachhaltige Beziehungen aufbauen, neue Zielgruppen erreichen und die Wahrnehmung des deutschen Fußballs stärken. Wenn die Menschen nach dieser WM sagen: Deutschland hat sportlich überzeugt, war ein guter Gastgeber im Ausland und hat Fußballkultur positiv erlebbar gemacht – dann wäre das ein großer Erfolg.

INTERVIEW: MANUEL BONKE