Das ist für Gianni Infantino nun mal wirklich unglücklich gelaufen. Am Mittwoch hat der Präsident der Fifa mit seinen Kenntnissen des US-Sports beeindrucken und gleichzeitig den Amerikanern verklickern wollen, dass sein Fußball doch die klar größere Nummer sei. Infantino kam auf die derzeit laufende Finalserie in der Basketball-Liga NBA zu sprechen, die besonders im Fokus steht, weil die Knicks aus New York es dorthin geschafft haben. Tolle Sache, fand der Italo-Schweizer Gianni, aber letztlich würden solch eine Korbjagd doch nur einige Millionen anschauen. Die WM hingegen: Milliarden.
Und was geschieht am Abend nach seiner Rede? Liefern die New York Knicks eine Story, wie es sie in einem NBA-Finale noch nie gegeben hat – eine 29-Punkte-Aufholjagd mit Überholvorgang 1,2 Sekunden vor Schluss. Die Bilder aus dem durchdrehenden Madison Square Garden wird ein weiträumiges Fußballstadion erst mal überbieten müssen. Zum Auftakt der Fußball-WM spricht das Gastgeberland über Basketball.
Infantino neigt dazu, die Menschen so einzuseifen, dass sie die Manipulation gar nicht bemerken. So hat er einen gewagten Vergleich der Ticketpreise angestrengt. Wahrscheinlich stimmt es, dass die Fifa für die WM-Spiele im Schnitt weniger verlangt, als es NBA, NFL, die Baseballer und das Eishockey tun – doch Infantino hat als Vergleichsgröße einfach mal die Playoffs herangezogen. Und das ist unseriös. Der nordamerikanische Sport unterscheidet sehr penibel zwischen „regular season“ und Playoffs, also sollte das der Fußball bei seiner WM auch tun. Katar – Bosnien-Herzegowina, DR Kongo – Usbekistan oder Kapverden – Saudi-Arabien sind nicht das, worauf die Welt gewartet hat. Ein Modus, der zwei Drittel erst einmal weiterkommen lässt, birgt weniger Spannung als eine 82-Spieltage-Vorrunde in NBA oder NHL.
Infantino spricht trotzdem unverdrossen von „104 Super Bowls in einem Monat“. Amerika ist nur zu freundlich, um nicht laut zu lachen.