Bobby Muuss nennt den Fußball nicht Soccer, sondern Football. Das ist schon mal gut, denn darin äußert sich die Absicht, sich vor dem anderen Football, dem mit dem eiförmigen Ball, nicht kleinzumachen. Bobby Muuss ist der Coach des Männerfußball-Teams der Wake Forest University, dem Gastgeber des DFB. Bobby Muuss wirkt dynamisch wie ein der Hennes-Weisweiler-Akademie entsprungener Laptoptrainer-Absolvent, und obwohl seine Mannschaft nur in einer Studentenliga spielt, spricht er, als repräsentiere er den FC Bayern: „Ziel Nummer eins ist es, Titel zu gewinnen.“
Auch über drei Jahrzehnte nach der ersten WM in den USA ist uns der amerikanische Fußball noch fremd. Wir nehmen gewisse Erfolge wahr und eine steigende Reputation der Major League Soccer – doch ist das hier ein richtiges Fußballland geworden? Konkret: Gibt es Straßenfußballer? Kann man sich in den USA spontan auf einem Bolzplatz treffen? Wir sind durch die Straßen des gar nicht so kleinen Winston-Salem (250.000 Einwohner) gefahren, um nach Spuren des Fußballs als Volkssport zu suchen. Wir haben keine gefunden. Mit einer Ausnahme, in einem Waldstück: ein privates Fußballzentrum. Mehrere Plätze, einige mit Flutlicht. Aber: Man kommt hier nicht einfach so. Wer hier spielen will, muss buchen und bezahlen. Sonst Anzeige, Polizei, Hand- (oder Fuß?)schellen womöglich. Diese Bolzplätze bereiten Schwellenangst.
Früher Abend, gutes Wetter: Ein Vater trainiert seinen Sohn, ein paar Jungs spielen auf ein Tor. Ein Haufen zusammengeschossener Tore liegt herum – Fußballcenter oder schon „Lost Place“?