Glänzen nicht nur auf Rasen, sondern auch im Wasser: Wirtz (o.), Tah (li.) und Schlotterbeck (ganz re.). © Insta (3)
Nagelsmann (rund) und die DFB-Stars auf dem Trainingsplatz. © Gambarini/Woitas/dpa
Winston-Salem – Lagerkoller im verschlafenen Winston-Salem? Von wegen! Zumindest bislang fühlt sich die DFB-Elf pudelwohl. Nach den ersten fünf Tagen im Basecamp in der Kleinstadt in North Carolina lässt sich festhalten, dass der Verband mit der Wahl seines Quartiers wohl eine gute Wahl getroffen hat. Eher Campo Bahia (2014, Weltmeister in Brasilien) als Watutinki (2018, Vorrunden-Aus in Russland).
Am Donnerstag teilte der DFB Schnappschüsse seiner Spieler, die sie bestens gelaunt am und im Pool ihres Teamquartiers „The Graylyn Estate“ zeigen. Dahinter ist eine Leinwand aufgebaut, auf der die Profis gemeinsam das Auftaktspiel zwischen Mexiko und Südafrika (2:0) verfolgten. Das Bild des Tages ist aber zweifelsohne: Florian Wirtz, der kopfüber ins Wasser springt. In gewisser Weise eine perfekte Metapher für die aktuelle Lage: Schließlich sind es Wirtz und seine Teamkollegen, die endlich wieder dafür sorgen können, dass Fußballdeutschland kopfsteht.
Entsprechend groß ist die Vorfreude auf die Partie am Sonntag (19 Uhr, ZDF) gegen Curacao und ein erhofftes Schützenfest. Jonathan Tah sagte mit Blick auf den Start: „Ich freue mich auf das Turnier und weiß aus meinem Umfeld, dass die Vorfreude in Deutschland noch nicht so groß ist“, so der Innenverteidiger, der deshalb gleich einen Appell hinterherschob: „Ich möchte, dass die Euphorie kommt. Aber dafür können wir selbst sorgen und müssen es auch.“
Sein Teamkollege Deniz Undav zeigte sich auf der Pressekonferenz am Freitag ähnlich euphorisch: „Übermorgen fängt es an. Die Spannung steigt und jeder ist heiß auf das Spiel“, erklärte der Stürmer. „Jeder gibt Gas im Training. Jeder ist glücklich, dass es anfängt und bei 100 Prozent.“
Und auch Joshua Kimmich, der die Nationalmannschaft mit 31 Jahren erstmals als Kapitän in ein großes Turnier führt, hat ein klares Ziel. „Ich will auf jeden Fall Weltmeister werden“, sagt er in der ZDF-Doku „Kapitän Kimmich“, aber er wisse, „dass der Weg dorthin brutal ist“. Deshalb will er noch nicht so viel reden über den Titel-Traum. „Wir sollten über die Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, nachdenken.“
Kimmich ist das Gesicht der „Generation nix“. Die hoch gewetteten Jahrgänge 1995/1996 um Leroy Sané, Serge Gnabry oder Leon Goretzka sind zweimal krachend gescheitert. Auch sie wollen endlich hoch hinaus – wie Wirtz bei seinem Kopfsprung.V. TSCHIRPKE, M. BONKE