„Das wird strapaziös“

von Redaktion

Schweinsteiger über Wetter, Favoriten und DFB-Tücken

Häufig im Austausch: Schweinsteiger und Nagelsmann. © Macdougall/AFP

Frankreichs Kylian Mbappe; oben: Kimmich am Flughafen in Winston-Salem. © Gambarini, Fife/dpa, Macdougall/AFP

Bastian Schweinsteiger mit WM-Pokal, Südafrika bei einer Trinkpause. © Breton/ Imago, Clary/AFP

Bastian Schweinsteiger (41) ist Weltmeister 2014 geworden, war Kapitän des FC Bayern München und später Profi bei Manchester United und Chicago Fire. Nach dem Karriereende 2019 ist er als Fußballexperte für die ARD tätig und wird die WM 2026 vor Ort begleiten.

Was trauen Sie dem DFB zu?

Wenn wir ins Halbfinale kämen, wäre es für mich ein richtig großer Erfolg. Man darf nicht vergessen: Das beste Ergebnis der deutschen Nationalmannschaft war über die letzten zehn Jahre das Viertelfinale bei der EM 2024. Wenn bei uns alles passt – aber dann muss wirklich alles passen – können wir große Nationen wie Spanien und Frankreich vielleicht schlagen. Die Franzosen wären sicher Favorit in einem K.o.-Duell und würden von zehn Spielen aktuell wohl acht gewinnen. Sie sind für mich der klare Titelanwärter bei dieser WM, weil sie unfassbar viele Topspieler haben.

Ihre Generation verkörperte 2014 in allen Mannschaftsteilen diese Qualität. Wer hat das Niveau heute noch?

Schauen wir auf die Spieler des FC Bayern: Joshua Kimmich, egal wo er spielt. Jonathan Tah in der Abwehr, Jamal Musiala im Mittelfeld, wenn er fit ist. Auch Aleksandar Pavlovic zähle ich zu den Spielern, die nahe am Topniveau dran sind. Was eine Weltklasse-Mannschaft ausmacht, ist jedoch die Konstanz.

Die Rückkehr von Manuel Neuer haben Sie schon früher gefordert.

Wenn ich Bundestrainer wäre, hätte ich ihn auch zurückgeholt, weil er bei Bayern München auf Weltklasseniveau spielt. Er hat einfach eine Aura, die gegnerische Spieler beeinflusst.

Was sagen Sie zur deutschen Gruppe mit Curacao, Elfenbeinküste und Ecuador?

Wenn man gegen einen Gegner auf dem Platz steht, den man nicht kennt, entsteht oft Unsicherheit. Zum Beispiel das erste Spiel von Argentinien gegen Saudi-Arabien in Katar, als der spätere Weltmeister verloren hat. Solche „Black-Box“-Gegner sind oft ein Riesenproblem: Deshalb sehe ich ein Spiel gegen die Elfenbeinküste als durchaus schwierig an. Weil man bislang wenig Vergleiche hatte. Und gegen Ecuador und erst recht gegen Curaçao sieht es nicht viel anders aus. Ich habe immer gern gegen Argentinien gespielt, das hat gut geklappt (lacht).

Also sind schwerere Gegner eigentlich leichter?

Philipp Lahm hat mir oft gesagt, dass er sich freut, wenn starke Gegner kamen. Ich weiß noch bei der EM 2012, da spielten wir schon in der Gruppenphase gegen die Niederlande, Portugal und Dänemark. Das war zwar schwierig, aber war uns lieber als bei der WM 2014 das Achtelfinale gegen Algerien.

Schauen Sie eine WM heute anders?

Früher war ich Teil der Spielerblase, als Experte unterhält man sich viel mit anderen Leuten, auch mit Fans. Ich würde jedem Spieler mal raten, diesen Perspektivwechsel zu unternehmen. Man bekommt einfach mit, was die Nationalmannschaft vielen Menschen bedeutet; was sie auf sich nehmen, um vor Ort zu sein. Dass war bei der WM 2006 das Besondere nach dem verlorenen Halbfinale gegen Italien, dass so viele nach Stuttgart kamen, um uns aufzumuntern. Eine WM-Bühne ist die größte: Das macht etwas mit jedem Menschen, wenn plötzlich eine ganze Nation mit rund 83 Millionen Menschen hinter dir steht.

Was halten Sie jetzt von der Ausweitung auf 48 Teams?

Ich verstehe den Gedanken, dass man mehr Teams die Chance gibt, damit sich der Fußball in anderen Ländern entwickelt. Sportlich gesehen ist es natürlich nicht ideal. Dabei würde ich es mal belassen.

Sie haben selbst in der MLS für Chicago gespielt. Wie werden die Bedingungen?

Das wird strapaziös. Wenn man von Kanada nach Mexiko reisen muss oder umgekehrt – oder auch nur von der Ost- zur Westküste der USA – das spürt man schon. Zum einen ist da die Entfernung, zum anderen die unterschiedlichen Zeitzonen. Ein anderer Faktor wird natürlich die Hitze sein. Wenn du ein Spiel mittags in Houston hast, dann schaut man schon mal auf die Uhr und denkt vielleicht schon nach 15 Minuten: Wann ist denn Halbzeit? Das ist schon eine Umstellung auch für die Art und Weise, zu spielen. Du kannst auf dem Platz keine 90 Minuten vor und zurück powern.

INTERVIEW: FRANK HELLMANN

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