Die Italiener fehlen – oder etwa nicht?

von Redaktion

Heute von Stefanie Thyssen

Die Stimmung zum Auftakt ist gut, das kann man nicht anders sagen. Die Eröffnungsfeier hatte alles, was man erwartet, Kerner, Klopp und Müller sind eine Wucht, und jetzt freuen sich alle darauf, dass die deutsche Mannschaft gegen Curaçao gewinnt. Alles in Butter also? Nicht ganz. Ich finde, an dieser Stelle sollte auch Platz sein für die, die es im Moment nicht leicht haben. Die gute Miene zum bösen Spiel machen und irgendwie die Laune hochhalten müssen, obwohl sie sich am liebsten verkriechen würden: die Italiener in der Stadt.

Ich wohne in München-Haidhausen, was als Franzosenviertel bekannt ist. In meiner Ecke tummeln sich aber sehr viele, sehr nette italienische Restaurants. Und die Jungs, die da tagein, tagaus Pizza und Pasta servieren, die leiden. Nur Hunde und kleine Kinder können trauriger schauen als erwachsene Männer aus dem Stiefelland. Die Azzurri sind bei der WM wieder nicht dabei, haben die Qualifikation nicht geschafft, und das bricht auch mir das Herz.

Diese Woche habe ich meinen Lieblingskellner gefragt, ob sie denn eigentlich wieder wie in den vergangenen Jahren die WM zeigen. Er ist der netteste Mensch, den man sich vorstellen kann, immer gut gelaunt, immer freundlich, einer, der einen noch im Vorbeigehen umarmt, obwohl er drei Aperol Spritz in der einen und zwei Antipastiteller in der anderen Hand hat. Aber bei der Frage – da rollte er mit den Augen. „Mei, Steffi, Sonntag aben wir zu, eure anderen beiden Spielen sind spät – ich weisse nicht ehrlich gesagt.“ Sein Blick verriet aber noch etwas anderes: Dass sein Herz eigentlich zu schwer ist, um die WM zu sehen, die wieder ohne seine Mannschaft stattfindet. Ich fühle mit ihm, ehrlich. Und kurz verging auch mir die Vorfreude auf diese Meisterschaft, bei der etwas fehlt, wenn Italien nicht dabei ist. Aber dann habe ich an 2006 gedacht. Und fand: Sooo schlimm ist es jetzt auch wieder nicht, dass unser aller Lieblingsurlaubsland nicht am Start ist. Und als hätte er meinen Gedanken gelesen, rief Domenico mir hinterher: „Wir werden die Spiele schon zeigen, Steffi, wird schon.“ Wie schön, dachte ich. Darauf einen Aperol.

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