TV-KRITIK

Die Spar-WM in der ARD: Arm, aber sexy

von Redaktion

Jörg Heinrich

Gute Laune: Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger. © Screenshot: ARD

Und weiter geht die wilde Fahrt. Oder, wie die Sportfreunde Stiller reimen würden: „Gianni-Sause without Pause.“ Wobei es gestern ein völlig neues WM-Gefühl gab. Denn nach dem Halligalli-Auftakt bei ZDF und Magenta ging es beim Einspar-Ersten bescheiden zu. Motto: Kammerspiel statt Hammerspiel. Statt Glitzer-Studio und Promi-Auftrieb mussten die ARD-Schnuckis Esther Sedlaczek und Basti Schweinsteiger die Chose ganz allein regeln. Das war Fußball pur, fühlte sich aber auch ein bisschen an wie dritte Runde DFB-Pokal, Mainz – Hertha.

– Das Mini-Gedöns: Während die ZDF-WM zum Start länger dauerte als der Ring in Bayreuth, legte die ARD ab 20.15 Uhr einen Quickie hin. Apropos Bayreuth: Nicht mal Lea Wagner war da. Stattdessen meldeten sich Esther und ihr Basti mutterseelenallein von der Pressetribüne aus Toronto. Die Verarmung bei der ARD scheint massiv voranzuschreiten. Stefan Mross, Du bist nicht allein!

– Das Höhensonnen-Bild: Wenn uns das Auge nicht trog, übertrug das Erste seinen WM-Start sogar mit der behelfsmäßigen Kommentatoren-Kamera. Mit der Vintage-Bildqualität von 1986 sah das ARD-Traumpaar so rotgesichtig aus, als wär’s eine Hommage an die kanadischen Ureinwohner. Die beiden werden ja nicht unter der Höhensonne eingeschlafen sein. Technisch war das ein bisschen „Fußball-WM, auf Wish bestellt“.

– Ein Hoch auf Balkan-Basti: Schlussendlich sieht man Esther Sedlaczek und Basti Schweinsteiger mit Heimvideo-Qualität natürlich trotzdem lieber als fast alle anderen WM-Duos in 16K Hyper-OLED Ultra-Max+. Bei den beiden gilt: Arm, aber sexy! Schweini glänzte mit intimen Kenntnissen von Bosnien-Herzegowina („Tabaković dürfen wir nicht vergessen!“), was sicherlich ein Erbe seiner Verflossenen ist. Esther plauderte aus, dass ihr Lieblingsexperte früher mit Bosnien-Trainer Sergej Barbarez auf der PlayStation gezockt hat. Schweini staunte: „Woher weißt’n Du des?“ „Das hast Du mir erzählt, hallo!“ Es könnte viel Spaß machen mit den beiden. Doch als der Weltmeister in der ersten Hälfte das Spiel analysieren sollte, versemmelte die ARD den Ton und man hörte nur „Brmpftl krchzzz“. Da macht’s beim Zuschauen und Zuhören Autsch auf der Couch.

– Neues vom Lustigsein: Vieles an dieser WM lässt sich eh nur mit Humor ertragen. Da tun amüsante Menschen gut. Chris Kramer hat nach dem faden Auftakt Mexiko – Südafrika gefrotzelt, dass es sich eher um „so’n Benefizspiel“ handelte. Spaß-Sender Nummer 1 ist Magenta. Viele, die sich das Flex-Abo für 11 Euro gegönnt haben, schwärmen schon vom „Sexy Flexi“. Thomas Müllers Paradespruch im Aztekenstadion, mit Blick auf die WM 1970: „Ein geiler Topf! In diesem Stadion spürst du noch Beckenbauers Arm in der Schlinge.“ Fan-Experte und Klum-Gatte Tokio-Tom Kaulitz feiert JB Kerner als Ersatz für seinen schrillen Bruder: „Du bist mein Bill.“ Jetzt wissen wir endlich, wofür das B steht: Johannes Bill Kerner.

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