Havertz und Schlotterbeck nach dem Aus 2022. © Imago
Moderiert die Stimmung: Rudi Völler. © Gambarini/dpa
Winston-Salem – Julian Draxler saß auf dem Pressekonferenz-Podium in Südtirol und lächelte leicht übermütig. Er war auf den Fluch der Weltmeister angesprochen worden; Italien und Spanien waren nach ihren Titelgewinnen von 2006 und 10 bei den nächsten WM-Turnieren (2010, 14) in der Vorrunde ausgeschieden – sollte der 2014er-Champ Deutschland also gewarnt sein? Draxler sagte: „Na ja, dass das auch uns passiert, ist praktisch ausgeschlossen.“ Das war 2018, kurz vor der Abreise nach Russland – wo es dann geschah. Erstes Spiel verloren (0:1 gegen Mexiko), in der Vorrunde ausgeschieden. Und 2022 wiederholte es sich: Start mit Niederlage (1:2 gegen Japan), zweites Vorrunden-Aus. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, das gerade Joshua Kimmich porträtiert hat, stellte nüchtern fest: Der DFB-Kapitän habe 110 Länderspiele bestritten, doch unter ihnen war kein einziges K.o.-Spiel bei einer WM.
2026 stehen die Chancen gut, dass die deutsche Nationalmannschaft sich aus dem Dauer-Tief herausbewegt. Der neue Modus lässt so viele Teams weiterkommen (32), wie bisher überhaupt mitspielen durften. Und Curacao sollte gemäß Datenlage ein Gegner sein, über den man nun wirklich nicht stolpert. Man will das Spiel am Sonntag (19.00 Uhr MESZ) in Houston trotzdem seriös angehen: Nico Schlotterbeck verweist auf die Ausbildung der Curacao-Spieler in den Niederlanden („Gegen einen habe ich in der U21 gespielt“), er wird sich „das iPad hinstellen lassen und schauen, ob die Stürmer Rechts- oder Linksfüße sind“. Und er ist überzeugt: Wir werden zeigen, wie gut wir sind.“ Man sei eine „Toptoptopmannschaft“.
Die Geschichte zeigt: Es ist hilfreich, gut in ein Turnier zu starten. Rudi Völler hat das als Spieler 1990 mit dem 4:1 gegen Jugoslawien erlebt und 2002 als Teamchef mit einem 8:0 gegen Saudi-Arabien. „Es gibt eine gewisse Ruhe, wenn man so loslegt“, sagt der jetzige DFB-Sportdirektor.
Ebenso jedoch hat Völler auch miterlebt, dass man sich in ein Turnier erst hineinarbeiten musste. Und er nennt Argentinien als Beispiel: Es verlor vor dreieinhalb Jahren in Katar das Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien und wurde trotzdem Weltmeister. Da denkt man an Hansi Flick, der 2014 als DFB-Co-Trainer postuliert hatte: „Ein guter Beginn braucht Begeisterung, ein gutes Ende Disziplin.“ Vor zwölf Jahren verband sich beides.GÜNTER KLEIN