„Kein Armband, keine Fahrt“: So kommen die Fans und unser Reporter Bonke auch sicher an. © Privat
New York im Ausnahmezustand: WM- und Basketballfans ziehen durch die Stadt.
New York – Es ist ein stolzer Preis für eine Gesamtstrecke von 60 Kilometern: 98 US-Dollar (umgerechnet etwa 85 Euro) müssen Fans in New York hinblättern, wenn sie ein WM-Spiel im Met-Life-Stadium im benachbarten New Jersey besuchen und dafür die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen wollen. Normalerweise verlangt die Verkehrsgesellschaft NJ Transit für diese Strecke 12,90 Dollar (umgerechnet etwa 11 Euro). Der Aufschrei war nach dieser massiven Preiserhöhung entsprechend groß. Aber wie läuft der Fan-Transport vor Ort wirklich ab? Unser Reporter Manuel Bonke hat ihn getestet. Endstation: das Vorrundenspiel zwischen Brasilien und Marokko.
Vorbereitung: Ohne die NJT-App läuft, genauer gesagt, rollt gar nichts. Nur damit kann das WM-Zugticket gebucht werden – und angeblich nur in Verbindung mit einer gültigen Eintrittskarte. Überprüft wird das aber zu keinem Zeitpunkt. Wichtig: Es muss ein entsprechender Zeit-Slot ausgewählt werden, um den richtigen Eingang an der entsprechenden Abfahrtsstation zu finden. In meinem Fall war das die „Boarding Zone B von 16 bis 17 Uhr“ an der Penn-Station am Madison Square Garden. Danach muss nur noch die Zahlungsmethode ausgewählt werden – und schon war ich um 98 Dollar ärmer.
Hinfahrt: Am Abfahrtsbahnhof angekommen, muss ich zugeben: Es ist nachvollziehbar, dass NJT einen Aufschlag für den Fan-Transport verlangt – ob die Preissteigerung von über 600 Prozent angemessen ist, bleibt zu diesem Zeitpunkt noch zweifelhaft. Die Sicherheitsvorkehrungen sind immens. An jeder Ecke stehen Polizisten und Security-Einheiten, die vor dem Betreten des Bahnhofs ausgiebig die Taschen kontrollieren und jeden Fahrgast mit einer Art Einlassbändchen – das später noch wichtig wird – ausstatten. Die Wegeführung scheint zwar etwas umständlich, ist aber idiotensicher. Um 16 Uhr sitze ich im Zug, muss einmal auf halber Strecke (Frank R. Lautenberg Station) geplant und geführt umsteigen – und bin um 16.40 Uhr am Stadion.
Rückfahrt: Nach Abpfiff – das Spiel zwischen Brasilien und Marokko endete 1:1 – mache ich mich direkt auf den Rückweg. Vor dem Stadion stehen schon zahlreiche Volunteers mit NJT-Schildern, die mir den Weg weisen. Auf einem großen Schild steht: „Kein Armband, keine Fahrt.“ Mit meinem pinkfarbenen Bändchen am Handgelenk bahne ich mir den Weg durch die Menschenmassen – und bin überrascht, als ich nicht am vorherigen Bahnsteig stehe, sondern an einem improvisierten Busbahnhof. Im Minutentakt rollen Shuttle-Busse an, die die Stadionbesucher direkt zur Lautenberg-Station fahren. Maximal zwei Minuten beträgt die Wartezeit zwischen den Busabfahrten. „Das läuft alles reibungslos“, meint ein Vater, der mit seinem Sohn das Spiel besucht hatte. Und ich muss zugeben: Er hat Recht! Die Organisation war bis zu diesem Zeitpunkt top! An der Lautenberg-Station angekommen, muss man zum ersten Mal ein paar Minuten warten, bis sich die Schlange in Richtung Bahnsteig fortbewegt. Der Zug ist zwar voller als bei der Hinfahrt, aber lange nicht überfüllt. Denn auch hier gilt die Ami-Regel: Klotzen statt kleckern! Und so bin ich nach (gestoppten) 55 Minuten wieder an der Penn-Station. Fazit: Die 98 Dollar sind fast jeden Cent wert!MANUEL BONKE