Gut, dass sich bei einer WM immer neue Themen auftun – nicht nur solche, die sich aus den Pressekonferenzen ergeben. Wer hat die Nachrichtenlage rund ums deutsche Team über Tage bestimmt? Der Autor dieser Kolumne. In den Medien ein „DFB-Reporter“ genannt. Im ZDF, so wurde mir zugetragen, sagte Frau Müller-Hohenstein, man habe sich meinetwegen in Winston-Salem „beömmelt“. Auf der „kicker“-Website stand „Deutscher Journalist sorgt für Lach-Flash“. Kollegen im deutschen Medienzentrum in North Carolina zeigen mir auf ihren Handys, was ihnen aus der Heimat an Instagram-Videos geschickt worden sei. Eine gute Freundin aus dem Ruhrpott meldet sich: „Viral bisse gegangen.“ Der Chef in der Redaktion spricht von „frischem Weltruhm“.
Was ist passiert? Ich habe eine Frage an Jonathan Tah freundlich mit seinem Vornamen eingeleitet. Aber ich habe ihn nicht kartoffelig ausgesprochen, sondern englisch, also „Dschonassn“. Weil ich glaube, das in Übertragungen aus über zehn Jahren Bundesliga so schon gehört zu haben. Weil Jonathan ein internationaler Name ist und der Frankfurter Jonathan Burkardt sich freiwillig Jonny nennt. Und weil ich noch im Kopf habe, wie Jonathan Tah 2016 als Nachnominierter zur EM in Frankreich einflog. Direkt aus dem Urlaub in Miami angekommen, im ganzen Auftritt irgendwo zwischen Rapper und NBA-Star. Für mich hatte er den Swag eines amerikanischen Basketballers. Als solcher würde er Dschonassn heißen. Marcel Reif bietet bei Bild TV eine alternative Erklärung an: „Das war Günter Klein, der ist Eishockeyfan.“
Jonathan Tah wirft sich beim Dschonassn jedenfalls weg vor Lachen, Nico Schlotterbeck, der mit vollem Namen Nico Cedric heißt und einen Bruder Keven Matteo hat, erheitert sich wie die Japaner 2022 über seine Abwehrleistung im ersten WM-Spiel. Auf X, der siffigen Elon-Musk-Plattform, nennt mich ein User einen „Oberlehrer, der am Ende zu blöd ist, den Namen richtig auszusprechen“. Der arme Tropf bekommt kein einziges Like.
Am nächsten Tag liefere ich in der PK mit Deniz Undav keinen Namens-Eklat. Aber ich stehe unter Beobachtung. Ein Freund spielt mir einen Screenshot zu: „Deniz Undav bringt alle zum Lachen“ – ich blicke bitterböse.
Und dann kommt noch Dschonassn-Schützenhilfe von prominenter Stelle. Im Podcast „Zeigler und Köster“ wird Tah auch Dschonassn genannt – und zur Überspitzung sein Name auch noch eingeenglischt. Tey. Die Episode des neuen Podcasts trägt den Titel: „Steh zu deinem Namen, Jonathan Tey.“