Raketenstart in Houston

von Redaktion

Deutsches 7:1 gegen Curacao – nach einem Problem-Moment

Der Anfang des WM-Höhenflugs? Nmecha hebt nach dem frühen 1:0 ab, Schlotterbeck & Co. legten nach. © Baron/Schmidt/AFP

Houston – Nico Schlotterbeck präsentierte seinen Bizeps, Jamal Musiala, Felix Nmecha und Nathaniel Brown zeigten ein befreites Lachen – 7:1 (3:1) gewann die deutsche Nationalmannschaft ihr WM-Auftaktspiel gegen Curacao. Zum Spielort Houston passend: ein Raketenstart. Aber Rückschlüsse darauf, wo Julian Nagelsmanns Auswahl steht, ob sie einer der Favoriten ist oder nur dem gehobenen Mittelstand angehört, ließ dieses Spiel nicht zu. Der Gegner wäre auch von etlichen anderen WM-Teams überfordert worden. Dennoch konnte er Deutschland kurz mal wehtun.

Manuel Neuer war dennoch zufrieden: „Jeder wünscht sich einen guten Start, das ist wichtig“, sagte der Rückkehrer. „Wir haben Spielfreude gezeigt, die Spieler von der Bank haben Energie gebracht. Wir haben nie aufgehört und sind immer weiter auf das nächste Tor gegangen.“ Auch Nagelsmann freute sich nach zuletzt zwei verpatzten WM-Auftaktspielen „extrem für die Mannschaft“.

Die deutsche Überlegenheit war erwartbar. Aber über diesem Spiel lag die Frage: Ließe sich die Dominanz in den Nebenkategorien auch übersetzen in die einzige Statistik, die zählt: die mit den Toren? Zwischendurch konnten Zweifel aufkommen. Als es bei einem Schussverhältnis von 8:1 plötzlich 1:1 stand.

Locker flockig war die DFB-Elf zum 1:0 gekommen, in der 6. Minute nach Doppelpass zwischen Felix Nmecha, dem Torschützen, und Florian Wirtz. Die Deutschen schossen, die Karibik-Kicker blockten, was auf ihr Tor zukam.

Und dann ereignete sich auf einmal Historisches: ein Tor gegen den viermaligen Weltmeister. Curacaos 1:1 in der 21. Minute: vom Glück begünstigt. Nico Schlotterbeck misslang zweimal die Klärung, und als Livano Comenencia abzog, fälschte DEB-Kapitän Kimmich ab – und der erste Schuss auf sein Tor war an Manuel Neuer vorbeigeflogen. Der „Houston, we have a problem“-Moment. „Wenn er nicht abgefälscht wird, dann habe ich ihn“, analysierte Neuer. „Durch Jo hat der Ball eine andere Flugkurve bekommen, dann war die Distanz zu nah, um darauf zu reagieren.“

Ein emotionales Hoch für den Außenseiter, aber eben auch nicht mehr. Denn Deutschland umkreiste den gegnerischen Strafraum, Curacao tat alles, um den nächsten Einschlag zu unterbinden. Doch die Standards sprachen für den Favoriten: Ecke Brown, Kopfball Schlotterbeck – da gab es beim verteidigenden Team keine Zuordnung (38.). Und schließlich mussten die Insulaner in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch das 1:3 schlucken. Nach einem sehr offensichtlichen Foul von Bazoer an Nmecha gab‘s Strafstoß, Kai Havertz verwandelte ihn routiniert per klassischer Verlade von Curacaos Tormann Eloy Room (45.+5), dem da klar wurde: Zu holen gäbe es für ihn keine Punkte, sondern nur, so hatte er es vorgehabt, das Trikot von Manuel Neuer.

Die erste Aktion des zweiten Durchgangs brachte das 4:1 (47.). Ohne Gegnerdruck konnte Jamal Musiala in die Spitze laufen und einen Pass von Kimmich ins lange Eck setzen. Keine Szene offenbarte die Qualitätsunterschiede so deutlich. Danach. Noch zwei Tore (Brown, 58, Joker Undav, 78., Havertz, 88.). Wechsel, freundschaftliches Abklatschen. Der Raketenstart war perfekt.GÜNTER KLEIN

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