Unerwarteter Dämpfer

von Redaktion

Bayern-Basketballer verlieren nach Rhythmus-Verlust zweites Finalspiel gegen Berlin

Bester Berliner Scorer am Sonntag: Jack Kayil im Duell mit Justinian Jessup (li.). © Hoppe/dpa

München – Es war natürlich kein Zufall, dass Michael Rataj und Jack Kayil als letzte Berliner das Feld verließen. Kleine Kinder verlangten nach ihnen und ihren Autogrammen, Interviews hatten sie zu geben. Die beiden sind die Jungstars der Berliner und hatten einen beträchtlichen Anteil daran, dass diese Finalserie in der Bundesliga nun beim Stand von 1:1 in der Hauptstadt fortgesetzt wird. Die Bayern-Basketballer verloren ihr erstes Spiel in diesen Playoffs, 79:86 (45:40) hieß es am Ende – und die beiden Jungen zeigten der ganzen Liga, wie dieser so übermächtige Rote Riese niederzureißen ist.

Wie sie das hinbekamen? Zum ersten Mal in dieser Meisterrunde hatten sich die Münchner anzupassen. Berlin zwang ihnen ihr Spiel auf, zelebriert den Basketball der Moderne, der auf enormen Tempo, vielen Dreiern und jugendlichem Schwung fußt. Das führte zur ziemlich einmaligen Situation in den letzten Minuten, das ausgerechnet die so routinierten Weltmeister und Euroleague-Spieler ihre kleine Führung (76:74) nicht ins Ziel brachten. ALBA-Coach Perdo Calles erkannte, dass seine Männer „mental und körperlich frischer“ daher kamen. Leidtragender war vor allem Weltmeister Johannes Voigtmann. Immer wieder zielten ihre Spielzüge auf den Spitzenmann ab, der in dieser Serie viel Last zu schultern hat, weil er mit Abstand Bayerns bester Center ist. Allerdings waren seine Beine nach den vielen Minuten müde. Und so galoppierten die jungen Berliner immer wieder in der heißen Phasen auf ihn zu, trafen und stibitzen den Sieg aus München. In der Defensive hielten die Gäste gegen die körperlich überwältigenden Münchner besser dagegen als zuvor. Wie? „Mit Herz“, notierte Michael Rataj, mit 15 Punkten zweitbester Scorer der Berliner.

In diese Position hatten sie sich überhaupt nur gebracht, weil ihnen abermals das Wurfglück hold war. Wobei, was heißt Glück? Ihr Kader ist ausgelegt auf Salven aus der Distanz. „Fast alle sind an der Dreierlinie und alle treffen gut“, sagt Bayern-Coach Svestislav Pesic. Diesmal saßen sagenhafte 48 Prozent ihrer Versuche, insgesamt elf Stück. Während bei den Münchnern nur 28 Prozent hinein fielen.

Die Bayern sind ein ganz anders konstituiertes Team. Sie bestechen mit Masse und Routine, setzen gnadenlos ihr Plus bei den Kilos und Zentimetern um in Punkte unter dem Korb und Freiwürfe. Bis hinein ins dritte Viertel erhamsterten sich die Münchner eine kleine Führung. Sie vollstreckten nahezu jeden Freiwurf, schoben die kleinen Berliner in der Zone hin und her wie Einkaufswägen, zogen das Spiel langsam auf ihre Seite. Das war gar nicht leicht, da noch eine dritte, unkalkulierbare Variable hinzu kam: die Schiedsrichter, die aus unerklärlichen Gründen viel zu häufig und für Nichtigkeiten ihre Pfeife betätigten.

Der große Knick im Spiel der Bayern kam mit den Wechseln Mitte des dritten Viertels. Die Stabilität der deutschen Weltmeister um Hollatz, Obst und Voigtmann ging vom Feld. Dahin war die Ruhe und ALBA setzte zum Sprint an. Die beiden Jungstars Kayil (16 Punkte) und Rataj sorgten dafür, dass die Bayern „in Defensive wie Offensive unseren Rhythmus verloren haben“, so Pesic. ANDREAS MAYR

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