Dallas-Stadion: Die japanischen Spieler versammeln sich während einer Trinkpause in der ersten Halbzeit des Spiels gegen die Niederlande. © kyodo/dpa
Taktische Anweisungen, Warten aufs Ende der Werbung – so sieht die Pause meist aus. © Gambarini/dpa
München/Houston – Das Unwort des Jahres ist für viele Fußballfans bereits im Sommer gefunden: Hydration Break. Auf deutsch: Trinkpause. Auch beim Spiel zwischen Deutschland und Curacao war es in der 23. Minute wieder so weit: ein kurzer Pfiff, ab zur Seitenlinie, erfrischen. Oder in diesem Fall: den Gegentreffer des Underdogs verdauen und den taktischen Anweisungen von Bundestrainer Julian Nagelsmann lauschen.
Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte die Fifa angekündigt, dass es zwei solcher Pausen (je drei Minuten) in jedem Spiel (unabhängig von der Temperatur) geben wird: nach rund 22 beziehungsweise 67 Minuten Spielzeit. Offiziell zum Wohl der Spieler, bei Temperaturen von bis zu über 30 Grad. Sogenannte Kühl- oder Trinkpausen waren bereits zuvor im Regelwerk verankert, neu ist die verpflichtende Durchführung.
Und genau daran hagelt es Kritik. „Das hat mich ein bisschen gestört: diese Wasserpausen! Sind ja nicht 40 Grad hier und Luftfeuchtigkeit bei 100. Und da machen die dann Pause? Wenn’s hier 50 Grad hat, dann braucht man natürlich Pausen“, sagte Bastian Schweinsteiger bei der Partie zwischen Kanada und Bosnien: „Schon ein bisschen fragwürdig, die Regelung, wenn das Wetter eigentlich gut ist.“ Als aktiver Spieler äußerte sich Virgil van Dijk: „Ich finde, jedes Mal in die Werbung zu gehen, ist etwas, das mir nicht wirklich gefällt. Ich denke auch, dass es für neutrale Zuschauer vor dem Fernseher nicht besonders gut ist.“ Der Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft sprach die Empfehlung aus, von Spiel zu Spiel zu entscheiden, ob die Pause wirklich notwendig ist. Sieht auch Paul Breitner im Gespräch mit unserer Zeitung so: „Der Spieler, der unter normalen klimatischen Voraussetzungen nach 23 Minuten eine Trinkpause benötigt, der hat definitiv etwas falsch gemacht.“
Die als Trinkpause getarnte Unterbrechung ist vor allem eins: Werbezeit! Sender haben nun auch während des Spiels zwei feste Blöcke, die vermarktet werden können. „In dem Moment, als wir die Cooling Breaks in der Werbevermarktung einplanen konnten, waren sie sofort stark nachgefragt“, sagte Arnim Butzen, Chef von MagentaTV, dem „Kicker“. Dafür gibt es feste Regelungen: Die Werbespots dürfen erst 20 Sekunden nach Pausenpfiff beginnen, die Übertragung muss 30 Sekunden vor Wiederbeginn wieder zum Spiel zurückkehren. Es gibt Bilder vom Spiel zwischen Paraguay und USA, auf denen zu sehen ist, wie der Vierte Offizielle Yusuke Araki auf Anweisung wartet, wann die Partie fortgesetzt werden darf.
Geld bestimmt die (Fußball-)Welt. Kelly Williams, Geschäftsführerin beim britischen Fernsehnetzwerk ITV, sagte dem „Guardian“, dass die Werbeeinnahmen 30 Prozent höher sind als noch bei der Europameisterschaft 2024. Das ZDF warb damit, dass Platzierungen in den Trinkpausen (bei nicht deutschen Spielen) „schon ab 1200 Euro pro Sekunde umsetzbar“ sind. Eine schöne Erfrischung – für die Sender.