Nähern sie sich noch mal an? Ismaik und im Hintergrund Präsident Mang. © IMAGO
München – Hasan Ismaik ist zurück in München. Mit kürzeren Haaren, neuer Brille – und einem letzten Plan für seinen TSV 1860. Nach dem Absturz der Löwen in die Regionalliga traf sich der Investor am Montag mit seinem neuen Anwalt Peter Gauweiler. Gestern Abend folgte die Gesellschafterversammlung auf der Geschäftsstelle (nach dem Druck dieser Ausgabe). Während die e.V.-Seite die Zukunft längst ohne Ismaik plant, setzt der Jordanier auf eine letzte Chance beim DFB.
Der Hintergrund hat es in sich. Bei einem Treffen in einem Münchner Hotel wurde unserer Zeitung ein Bankauszug vorgelegt. Demnach wurden bereits am 3. Juni exakt 2.300.871 Euro auf das Konto von Ismaiks Merchandising-GmbH überwiesen. Das Geld stammt nach Angaben der Ismaik-Seite von einem bislang unbekannten Investor. Die zentrale Behauptung: Mit dieser Summe hätte der notwendige Liquiditätsnachweis erbracht und die Drittligalizenz gerettet werden können. Genau darauf stützt sich nun die Hoffnung auf einen DFB-Protest. Die Frist läuft am Donnerstag ab. Ismaik und Gauweiler vertreten die Auffassung, dass die KGaA als Lizenzbewerberin die Entscheidung anfechten kann.
Parallel sucht die Ismaik-Seite weiter eine Einigung mit dem Verein. „Unverändert steht das Geld auf einem deutschen Konto zur Verfügung. Wir reichen die Hand und suchen eine Lösung“, sagte Ismaik. Und weiter: „Ich liebe Deutschland, liebe den deutschen Fußball und ich hoffe, dass wir eine gute Lösung für den TSV 1860 finden.“
Gleichzeitig weist er Vorwürfe zurück, die Rettung der Drittligalizenz verhindert zu haben. „Die Forderung des Vereins, dass ich jederzeit unbegrenzte Mittel bereitstellen soll, ist weltfremd“, sagt der Jordanier. Bekanntlich hatte er weitere Zahlungen an Forderungen nach mehr Transparenz und Kontrolle geknüpft.
Die Fronten bleiben dennoch verhärtet. Nach Informationen unserer Zeitung wurden neben dem DFB auch andere mögliche Vermittler eingeschaltet. Die Stadt München verwies auf ihre Neutralität. Selbst Innenminister Joachim Hermann, ein CSU-Parteikollege von Gauweiler, konnte nichts erreichen. Die Chancen auf eine Kehrtwende erscheinen deshalb gering.
Am Sonntag steht die Mitgliederversammlung im Zenith an (10 Uhr). Eine Rettung durch den DFB wirkt derzeit ebenso unwahrscheinlich wie eine plötzliche Versöhnung der zerstrittenen Gesellschafter. Was bleibt, ist ein letzter Strohhalm. Und die Aussicht auf einen Rechtsstreit, der die Löwen noch Jahre beschäftigen könnte. Ismaik selbst will noch ein paar Tage in München bleiben. Dass er wie 2024 im Zenith auftaucht, wenn der e.V. am Sonntag sein Zukunft plant, ist unwahrscheinlich.ULI KELLNER