KOMMENTAR

Die Macht von Social Media bei der WM

von Redaktion

Hype um Kap-Verde-Keeper

Der Name Josimar José Évora Dias hat in Fußballfachgesprächen weltweit bis Montag keine Rolle gespielt. 20.000 Follower auf Instagram hatte der Torhüter des krassen WM-Außenseiters Kap Verde, ehe er die spanischen Stars beim 0:0 zur Verzweiflung brachte – und es schnell ging. Eine halbe Million waren es nach Abpfiff; 1,9 Millionen, als der „Man of the Match“ zum Interview gebeten wurde; inzwischen wollen knapp sieben Millionen alles aus dem Leben von „Vozinha“ wissen. Kleiner Spoiler: Zwei WM-Spiele sind es noch, dann mal sehen. Ab 1. Juli ist der 40 Jahre alte Neu-Superstar nämlich vereinslos. Aber Zukunftsängste sind unnötig.

Wenn die Knochen von Vozinha noch wollen, wird sich ein neuer Arbeitgeber finden. Denn die Macht von Social Media, der Einfluss der anonymen Masse, sind die am meisten zählende Währung der Branche. Das ist nichts Neues, hat rund um die erste Mammut-WM aber eine noch größere Dimension angenommen. Die vom DFB aufwendig inszenierte Kader-Bekanntgabe via Instagram war nur ein Vorgeschmack auf all das, was dieser Tage zu erleben ist. 666 Millionen Follower freuen sich über den Astralbody von Cristiano Ronaldo am Pool, 14,6 feiern Manuel Neuers stilisierte Trainingsbilder, zudem vergeht keine Stunde, ohne dass Thomas Müller vor der Handykamera Schabernack betreibt. Auch dass der argentinische Social-Media-Star Valen Scarsini dem einst als unbekanntestem WM-Spieler geltenden Tim Payne aus Neuseeland über Nacht von 4700 zu knapp sechs Millionen Followern verholfen hat? Inzwischen völlig normal.

Der Hype ist real, so viel ist sicher. Er spitzt aber zu, was sich seit Jahren anbahnt: Spieler können sich selbst genauso inszenieren, wie sie und ihre Berater wollen. Mit der Wahrheit hat das oft wenig zu tun. Hat man diese Einordnung im Hinterkopf, ist Scrollen legitim. Und mal sehen: Vozinha ist ja noch neu auf dem Gebiet. Vielleicht setzt er neue Insta-Trends.

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