„Die Saison? Nicht zufriedenstellend“

von Redaktion

Bayern-Chef Hainer über die Finals, Svetislav Pesic und die Perspektiven der Basketballer

Chef mit kritischem Auge: Herbert Hainer. © Maul: IMAGO

Die Leidenschaft ist ungebrochen: Pesic. © Maul/IMAGO

Hiergeblieben: Alba Berlin entpuppte sich bislang für Andi Obst & Co. als ein kniffliger Prüfstein. © Gamel/IMAGO

München – Der Chef bleibt bis zuletzt an Bord. Erst nach der Finalserie seiner Basketballer wird sich Herbert Hainer (71) der Fußball-WM zuwenden. Doch in den verbleibenden Partien gegen Alba Berlin – Spiel drei steigt am Mittwoch (20.30 Uhr) in der Hauptstadt – geht es um mehr als nur den Titel, wie der Bayern-Boss erklärte.

Herr Hainer, nach zwei Finals steht es 1:1 – fürchten Sie um das letzte große Saisonziel?

Wir fürchten uns sicherlich nicht, aber natürlich hätten wir es alle gern gesehen, wenn die Mannschaft mit zwei Heimsiegen im Rücken nach Berlin gereist wäre. Doch nach der tollen Leistung im ersten Spiel haben wir im zweiten nach der Halbzeit vor allem offensiv den Faden verloren. Berlin hat das ausgenutzt und verdient gewonnen. Sie haben in beiden Spielen gezeigt, dass sie zu Recht im Finale stehen. Wir hätten aber so oder so ein Auswärtsspiel gewinnen müssen.

Wie versöhnlich wäre der Titel?

Versöhnlich wäre dann wohl eine angemessene Formulierung. Die Saison ist nicht zufriedenstellend für uns, das ist keine Frage. Allerdings muss man sie differenziert betrachten. Der negative Punkt ist der Pokal. Dass wir zu Hause im ausverkauften SAP Garden gegen Bamberg im Halbfinale ausgeschieden sind, war absolut enttäuschend. Sehr positiv verlief dafür die Bundesliga-Saison: Wir haben die Hauptrunde mit klarem Vorsprung als Erster abgeschlossen und sind durch die Playoffs mit zwei Sweeps gegen Trier und Bonn gegangen. Und die EuroLeague muss man in zwei Phasen betrachten: die Zeit vor Svetislav Pesic und die Zeit mit ihm.

Sie machen also tatsächlich einen klaren Schnitt beim Trainerwechsel?

Vor Svetislav haben wir deutlich mehr verloren als gewonnen, hatten auch diese Serie mit acht Niederlagen am Stück. Mit ihm haben wir zwölf Spiele gewonnen und neun verloren. Das ist eine Erfolgsquote von rund 57 Prozent. Hätten wir diese Quote von Anfang an gehabt, wären wir in den Play-Ins gewesen. Am Ende haben wir 17 Siege geholt, was sehr ordentlich ist, aber es hat eben nicht gereicht.

Was hat sich unter Svetislav Pesic konkret verändert?

Wir waren der Meinung, dass bei uns in der Mannschaft nicht mehr diese eiserne Disziplin drin war, die es braucht, um so ein straffes Programm durchzuziehen. Und diese Disziplin ist mit Svetislav definitiv zurückgekehrt.

Was macht ihn auch nach mehr als vier Jahrzehnten als Trainer besonders?

Seine Leidenschaft. Er beschäftigt sich permanent, von morgens bis abends, mit Basketball und hat eine klare Philosophie: Spiele werden in der Defensive gewonnen. Und diese Philosophie setzt er konsequent um. Er läuft nicht jedem Trend hinterher, sondern hat eine genaue Vorstellung, wie Basketball gespielt werden muss.

Das Finale gegen Berlin ist fast filmreif: Pesic gegen den Club, den er geprägt hat. Gibt es einen schöneren Abschied?

Es ist ein Spiel mit einer besonderen Historie – für unseren Coach, aber auch für die beiden Vereine sind das Duelle für die Geschichtsbücher. Svetislav war sehr lange in Berlin und sehr erfolgreich. Einen schöneren Abschied kann man sich fast nicht vorstellen – vorausgesetzt, er gewinnt jetzt die Meisterschaft. Wir würden Svetislav gerne beim FC Bayern behalten. In welcher Funktion, müssen wir sehen.

Neben einem neuen Trainer wird in Thorsten Leibenath ein neuer sportlicher Projektleiter beteiligt sein. Warum passt er zu Bayern?

Wir haben Thorsten schon lange verfolgt. Was er in Ulm geleistet hat, war exzellente Arbeit – als Trainer und als sportlich Verantwortlicher. Wenn man sieht, was Ulm aus seinen Möglichkeiten gemacht hat: Sie haben sich etabliert und sind Meister geworden. Er kennt den Basketball extrem gut. Er wird Impulse geben:

Ist genau diese Vernetzung, dieses Auge für Spieler wichtig, weil Bayern in der Euroleague finanziell eher Mittelmaß ist?

Die besten Spieler kennt jeder. Dafür braucht man keinen Scout: Auf die EuroLeague-Statistiken zu schauen und die besten Schützen oder Verteidiger zu erkennen, ist nicht schwer. Es geht darum, Spieler zu finden, die noch nicht jeder kennt. Und der zweite Punkt ist: Wir müssen junge Talente besser entwickeln. Hier bauen wir auf seine Qualitäten.

National wurden in dieser Saison Budgetzahlen veröffentlicht. War diese Transparenz richtig?

Nach unserem Dafürhalten nicht. Jetzt gab es Stimmen: Die Bayern werden Meister, weil sie mehr Geld ausgeben. Dabei wird vergessen, dass wir als einziger deutscher Verein in der EuroLeague spielen, einen viel größeren Aufwand betreiben müssen und daher einen größeren Kader brauchen. Internationale Qualität kostet Geld. Wir haben der BBL mitgeteilt, dass wir mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sind.

In Deutschland gilt Bayern finanziell als Riese. In Europa sind sie Verfolger. Kann der FC Bayern wirtschaftlich eine ähnliche Rolle erreichen wie im Fußball?

In der EuroLeague sind wir beim Spielerbudget im Mittelfeld, eher sogar in der zweiten Hälfte. Vor allem in Südeuropa wird deutlich mehr ausgegeben. Aber unser Ziel ist jede Saison eine schwarze Null. Wir geben nicht mehr aus, als wir einnehmen. Trotzdem sind wir überzeugt: Mit unserem Budget muss es möglich sein, eine Mannschaft zusammenzustellen, die die EuroLeague-Playoffs erreichen kann. Was uns auszeichnet: Wir schaffen es, Spieler wie Andi Obst zu halten, obwohl ihm lukrative Angebote vorlagen. Sowas ist wichtig für die DNA und das Entwickeln eines FC-Bayern-Gens wie im Fußball. Dass Obst bei uns blieb, ist ein Signal, auch an internationale Spitzenspieler.

Die NBA beschäftigt sich weiter intensiv mit Europa. Bedrohung oder Chance?

Die NBA ist die größte Basketball-Liga und versteht viel von Vermarktung. Wenn sie nach Europa kommen will, ist das ein gutes Zeichen. Die Frage ist nur: Wie? Aus meiner Sicht kann es nur mit der EuroLeague gehen, nicht gegen sie. Man sieht in München, was möglich ist: Der regelmäßig ausverkaufte SAP Garden strahlt NBA-Feeling aus.

INTERVIEW: PATRICK REICHELT

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