Gegner aus Afrika? Die Angst spielt mit

von Redaktion

Boateng gegen Ballack. © Imago

Rabah Madjer dreht nach dem 1:0 gegen Deutschland 1982 ab. © Simon/Imago

Winston-Salem – Wenn über das Comeback von Manuel Neuer diskutiert wird, dann fällt immer eine Jahreszahl und der Name eines Landes: 2014, Algerien. Das WM-Achtelfinale war das spektakulärste im Wirken des Torhüters, vor allem blieb haften, wie er oft weit im Feld klärte. 2:1 gewann die DFB-Elf nach Verlängerung – im bislang letzten Turnierspiel gegen ein Team aus Afrika. Und nun trifft sie wieder auf eines: die Elfenbeinküste. Julian Nagelsmann hatte darauf bestanden, im März in der Vorbereitung auf eine afrikanische Mannschaft zu treffen. Gebucht waren zunächst die Ivorer – der DFB wechselte dann zu Ghana. Man testete aus gutem Grund: Die bisherigen Begegnungen waren alle fordernd.

1970, 2:1 gegen Marokko: 39 Grad in Leon, Mexiko – und ein 0:1-Rückstand gegen Marokkos Amateure. Als zweites Team Afrikas haben sie sich für eine WM qualifiziert. Uwe Seeler, der den Ausgleich schießt, sagt: „Es wird schon noch besser werden, weil es schlechter nicht werden kann.“

1978, 0:0 gegen Tunesien: Vom argentinischen Publikum ernten die deutschen Stürmer Hohngelächter, weil sie serienweise am tunesischen Torhüter Malli scheitern oder in die Abseitsfalle laufen. Tunesiens Trainer Abdelmajid Chetali lästert: „Einige deutsche Spieler konnten vor Überheblichkeit nicht laufen.“ In der Gruppe belegt der DFB nur Platz zwei.

1982, 1:2 gegen Algerien: Torhüter Toni Schumacher kündigt „vier bis acht Tore“ an, der neue Bundestrainer Jupp Derwall will mit dem Zug von Spanien nach Hause fahren, wenn man zum WM-Auftakt nicht gewinnt. Die Realität war eine 1:2-Niederlage, die Deutschen lernen Rabah Madjer kennen, der fünf Jahre später in Diensten des FC Porto den FC Bayern im Europapokalfinale vorführt. Mahledine Khalef, der algerische Coach, sagt: „Die Deutschen hatten keinen Respekt vor uns.“ Paul Breitner nannte das Ergebnis „deprimierender als 1974 die Niederlage gegen die DDR“. Durch das deutsch-österreichische Komplott („Schande von Gijon“) scheidet Algerien trotzdem aus – und trägt das den Deutschen über Jahrzehnte nach. Zwischen den Verbänden wird der Kontakt gekappt.

1986, 1:0 gegen Marokko im Achtelfinale: Der Gegner wirkt professionell, je zwei Spieler verdingen sich in Frankreich und der Schweiz. 88 Minuten dilettieren die Deutschen, erst ein Freistoß von Lothar Matthäus bringt die Erlösung. „El Pais“schreibt vom „schlechtesten Spiel der WM“.

2002, 2:0 gegen Kamerun: Bei einer Niederlage droht das Vorrundenaus, in der 40. Minute fliegt Carsten Ramelow vom Platz. Glück für die Deutschen, dass die Kameruner nach Anreisechaos und Prämienstreit entkräftet und entnervt sind.

2010, 1:0 gegen Ghana: Ein aufgeladenes Spiel, weil Kevin Prince Boateng (Ghana) DFB-Kapitän Ballack mit einem Foul in England um die WM-Teilnahme gebracht hat. Auf deutscher Seite spielt Jerome Boateng. Zitterpartie zum Abschluss der Vorrunde, Mesut Özil trifft erlösend.

2014, 2:2 gegen Ghana: Deutschland lässt sich auf ein offenes Gefecht ein – und verliert fast. Joker Miroslav Klose rettet im zweiten Gruppenspiel einen Punkt.GÜNTER KLEIN

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