„Omi“ ist Kap Verdes neuer Volksheld

von Redaktion

Torhüter Vozinha (40) sorgt für große Sensation

Vozinha überragte gegen Spanien. © Justin Setterfield/AFP

Plötzlich Social-Media-Star: Kap Verdes Torhüter Vozinha, Held der „Blauen Haie“. © Ju Huanzong/dpa

Atlanta – Nach dem Spiel seines Lebens brach Vozinha in Tränen aus, überwältigt von all den Gefühlen, berauscht von einer der größten WM-Sensationen überhaupt. Und als der neue Volksheld der kleinen afrikanischen Inselgruppe Kap Verde die Momente für die Ewigkeit genoss und voller Stolz eine blau-rot-weiße Landesflagge in die Höhe streckte, ahnte der „No-Name“ noch nicht, dass ihn plötzlich die ganze Fußballwelt kannte.

Sein ganzes Leben habe er „für das hier gearbeitet, für diesen Traum“, betonte Vozinha tief bewegt nach dem Erfolg des Außenseiters beim WM-Debüt gegen scheinbar übermächtige Spanier (0:0). Viele Generationen hätten zuvor „von diesem Moment geträumt, aber sie haben ihn nicht erreicht“. Nun sei der Traum „für uns alle wahr geworden“.

Vozinha, 40 Jahre alt, Torhüter der „Blauen Haie“ und seit seiner „monumentalen Leistung“, wie es die nationale Zeitung „Expresso das Ilhas“ beschrieb, unsterblich, verhalf seinem Land zum ersten WM-Punktgewinn. Und er erlebte im Anschluss einen Hype, den er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Eigentlich ist Vozinha Keeper in der zweiten Liga Portugals, aber an diesem Tag bewegte er sich nahe der Weltklasse. Er habe gehört, dass er inzwischen eine halbe Million Follower auf Instagram habe, antwortete Kap Verdes Fußballheld auf die entsprechende Frage einer Reporterin, als er durch die Gänge des Stadions in Atlanta schwebte.

Eine halbe Stunde nach Abpfiff hatte sein Konto jedoch schon die Marke von über 1,5 Millionen Followern durchbrochen, inzwischen sind es über 7 Millionen. Ein TV-Sender in Brasilien hatte seine Zuschauer aufgerufen, dem Torhüter zu folgen. Vozinha, der seine Karriere im Nationalteam vor einem halben Jahr aufgrund einer Nicht-Berufung beinahe schon beendet hätte, riss ungläubig die Augen auf, als er das hörte: „Das ist verrückt, das ist verrückt.“

Damit hat er über dreimal so viele Follower wie sein Land Einwohner. Es ist eine der Geschichten, die eine WM ausmachen sollte, bei der sich FIFA-Chef Gianni Infantino inmitten aller Kontroversen die Hände reiben und all jene widerlegt sehen dürfte, die die WM-Aufblähung auf 48 Mannschaften kritisiert hatten. Trainer Pedro Leitão Brito betonte, dass die kleinen Teams mit den größeren mithalten könnten: Der Erfolg bedeute „alles für unser Land“.

Und für Vozinha, bürgerlich Josimar José Évora Dias. Er habe nach der Partie auch geweint, weil seine verstorbenen Großeltern nicht dabei sein konnten.

Als er bei ihnen aufwuchs, erhielt er seinen Spitznamen Vozinha, übersetzt: Omi. Und auch seine Mutter habe seine Heldentaten nicht in Atlanta vor Ort verfolgen können, „wegen eines Visaproblems und der damit verbundenen Kosten“, sagte der Torhüter.

Die neue Bekanntheit ihres Sohnes dürfte aber auch ihr nicht entgangen sein.

Artikel 1 von 11