Wo kommen eigentlich all die Experten her?

von Redaktion

Experten: Jürgen Klopp, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger. © HASSENSTEIN/AFP

New York – Kloppo, Lausbub Thomas Müller, Dichter Christoph Kramer, Mats Hummels, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker mit seiner Gelehrten-Brille, sogar Christian Streich, Robert Andrich und Robin Gosens – sie alle laufen bei dieser WM auf. Sie sind Experten beim Fernsehen, sie verteilen sich auf die verschiedensten Kanäle. Und weil die zueinander in Konkurrenz stehen, schadet es nicht, wenn die Experten nicht nur ihre Expertise abgeben, sondern auch Politik machen – das schafft Sekundärliteratur. Alle Medien haben über Jürgen Klopp und das Füllwort „noch“ berichtet. Julian Nagelsmann macht die Aufstellung – „noch“. Ha ha.

Es ufert aus mit den zwangsweise in die Übertragung geholten Fachleuten. Der Blick zurück zeigt: Es geht nicht ganz ohne sie, aber es geht mit weniger auch ganz gut.

Doch wer waren eigentlich die Ur-Experten? Nun, der Erste, der diesen Job machte, war Günter Netzer – aber nicht an der Seite von Gerhard Delling, das kam erst Jahrzehnte später. Netzer debütierte bei der WM 1970 als Zeitungskolumnist, Seine erste WM wäre das gewesen, doch er verletzte sich. Trotzdem flog er mit dem Team nach Mexiko – und schrieb (oder diktierte). Das war schon ein wenig brisant.

Richtig los ging es bei der WM 1990. Da holte sich die ARD eine zweite Stimme ans Mikrofon. Neben Gerd Rubenbauer oder Heribert Faßbender co-kommentierte Karl-Heinz Rummenigge – es war der Beginn seiner zweiten Karriere im Fußball. Man nahm ihn als seriös wahr und dachte: Der Mann kann sicher auch Vereinsfunktionär. Und das kam dann auch so. 1994 in den USA ein Quantensprung in Sachen Expertentum: Für den Pay-TV-Kanal Premiere richtete Franz Beckenbauer über seinen Nachfolger Berti Vogts; wie herablassend er das tat, zeigt eine gerade erschienene ARD-Dokumentation.

Die weitere Geschichte der Experten: 2006 wurde Jürgen Klopp als freundlicher Erklärer so beliebt und bekannt, dass es seiner Trainerkarriere diente. Dann kam beim ZDF Oliver Kahn – und bei RTL Jens Lehmann, der bei Turnieren einige Zeit lang missliebig in Pressezentren hocken und Chips essen musste (weil es kaum was anderes gab). Für die einen ist ein Expertenjob wie das Abtrainieren nach einem Leben im Fußball, bei anderen bedeutet er: Sie haben nicht genug. Wie bei Jürgen Klopp: Da wird doch NOCH was kommen.GÜNTER KLEIN

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