Aufmarsch der Anwälte

von Redaktion

Machtkampf um den TSV 1860 geht in die Verlängerung und ist ein Fall für Juristen

Premiere: Ismaiks Anwalt Peter Gauweiler (re.) betritt die Geschäftsstelle des TSV 1860 München. © Sampics

Showdown: Um Fußball geht es bei 1860 schon lange nicht mehr. Juristen verhandeln die Zukunft der Löwen.

München – Eine Mannschaft, die kämpft bis zum Umfallen, einen frühen Rückschlag wegsteckt und doch unglücklich verliert: Für Fußballfan Hasan Ismaik begann der Mittwochmorgen mit einer Niederlage, die sich leichter ertragen ließ als so manche Pleite seiner Löwen. Jordanien, das Heimatland des Investors, verkaufte sich bei seiner WM-Premiere gegen Österreich teuer, unterlag aber mit 1:3. Der Außenseiter zeigte Herz, Leidenschaft und Moral – doch am Ende hatten die Österreicher die größere Klasse und das Spielglück. Ein Fingerzeig für den Machtkampf bei 1860? Schließlich ist Österreich auch die Heimat von Präsident Gernot Mang.

Dass Ismaik nicht das ganze Spiel gesehen hat, lag an massivem Jetlag – weniger an den Geschehnissen am Vorabend. Die Gesellschafterversammlung am Dienstagabend war schneller beendet als gedacht. Das Treffen dauerte nur rund eine Stunde – und brachte für den TSV 1860 kein konstruktives Ergebnis. Statt einer Annäherung der Hauptdarsteller Mang-Ismaik kam es zu einem Aufmarsch der Anwälte. Die Juristen stritten, die Fronten blieben verhärtet. Eine Stellungnahme der e.V.-Seite wurde im Laufe des Mittwochs erwartet.

Dabei steht für Ismaik viel auf dem Spiel. Wie berichtet, setzt der Investor trotz des Absturzes in die Regionalliga auf eine letzte Chance beim DFB. Die HAM-Seite verweist auf 2.300.871 Euro, die bereits am 3. Juni auf dem Konto seiner Merchandising-GmbH eingegangen seien und nach ihrer Darstellung den erforderlichen Liquiditätsnachweis für die Drittliga-Lizenz ermöglicht hätten. Die Frist für einen Protest läuft an diesem Donnerstag ab.

Parallel dazu bereitet sich die Ismaik-Seite auf eine juristische Auseinandersetzung vor. Nach unseren Informationen werden rechtliche Schritte gegen die Kündigung des Kooperationsvertrags geprüft. Wie weit die Eskalation bereits fortgeschritten ist, machte Nicolai Walch, scheidender Verwaltungsrat des e.V. und neuerdings im Aufsichtsrat der KGaA, gegenüber Sechzger.de deutlich: „Wir sind weit fortgeschritten in der Frist zur Stellung des Insolvenzantrags.“

Gestützt sieht sich die HAM-Seite durch ein Rechtsgutachten des renommierten LMU-Professors Hans Christoph Grigoleit, das unserer Zeitung vollständig vorliegt. Der zentrale Befund: Die Profifußballmannschaft samt Spielberechtigung sei nach der Satzung eindeutig der KGaA zugeordnet und dürfe nicht auf den e.V. oder eine andere Gesellschaft verlagert werden.

In der aktuellen Sanierungslage dürfe zudem ein Gesellschafter eine Erfolg versprechende Rettung nicht aus eigennützigen Motiven blockieren. Bei Verstößen stünden erhebliche Schadensersatzansprüche und unter Umständen sogar strafrechtliche Konsequenzen im Raum. Auch auf die 50+1-Regel könne sich der e.V. laut Gutachten dabei nicht berufen. Das Papier dürfte eine wichtige Rolle spielen, falls der Streit vor Gericht weitergeht.ULI KELLNER

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