Die Bayern holen den Matchball

von Redaktion

Basketballer siegen in Berlin und könnten am Freitag Meister werden – Wirbel um Gavel

Lange kein Faktor: Am Ende stand Bayerns Weltmeister Andi Obst (re.) doch wieder bei 14 Punkten. – da konnte auch Martin Hermannsson nur staunen. © Gora/dpa

Berlin – Knapp eine Minute vor Schluss traf Justus Hollatz mitten hinein ins Berliner Herz. Der Jung-Spielmacher zog von der Dreierlinie ab. Und wie an der Schnur gezogen flutschte der Ball durch die Reuse. Aus sechs Punkten Vorsprung für seine Bayern-Basketballer waren neun geworden. Es war der Deckel auf eine lange hart umkämpfte Partie. Am Ende stand ein 91:83 (43:40) für die Münchner. Matchball also. Schon beim nächsten Treffen am Freitag (20.30 Uhr) – wieder in Berlin – konnten die Bayern den Threepeat aus drei Meisterschaften hintereinander eintüten.

Dabei entwickelte sich schnell das erwartet intensive Spiel. In dem die Bayern zunächst zumindest leichte Vorteile auf ihrer Seite hatten. Vor allem in der Defensive startete der Titelverteidiger giftiger als noch zuletzt bei den Heimspielen in München. Wenyen Gabriel zeichnete sich als Stabilisator aus. Zumindest am eigenen Korb hatte man Vorteile. Alleine: Man versäumte es, die Sache noch mehr in Zählbares umzumünzen.

Normalerweise wäre das ja eine Sache für Andi Obst. Der Welt- und Europameister allerdings wurde von den Albatrossen ähnlich aufmerksam verfolgt wie am Sonntag im SAP Garden. Zur Pause hatte er nicht viel mehr als zwei Freiwürfe in der Statistik stehen. Es mussten andere richten. Nenad Dimitrijevic zum Beispiel. Der seit Wochen in bestechender Form spielende Nordmazedonier verteilte die Bälle und vollstreckte. 19 Punkte standen für ihn zu Buche als er kurz vor Schluss mit fünf Fouls vom Feld musste. Auch Geburtstagskind Vladimir Lucic punktete mal wieder zweistellig (15).

Und Alba? Boss Marco Baldi erklärte vor dem Start artig immer noch den Gegner zum hohen Favoriten. „Wir wissen schon, wer auf der anderen Seite steht“, sagte er, „wir wissen schon, was da für eine Qualität auf dem Feld steht.“ Doch natürlich hatte der Auswärtssieg seine Berliner beflügelt. Natürlich roch man die große Chance, die Bayern vielleicht doch vom Thron stürzen zu können. Und die Albatrosse nahmen die heiße Stimmung im Hexenkessel Max-Schmeling-Halle auf.

Es war nicht die feine Klinge, aber es wurde ein großer Kampf. Vor allem der jugendliche Jack Kayil kurbelte das Spiel des Herausforderers an und versenkte rotzfrech Dreier. So wie den zum 69:69, die die Arena Kopf stehen ließ. Sollten die Berliner wirklich die Meisterkür ihres einstigen Baumeisters Svetislav Pesic vermasseln.?

Taten sie nicht. Weil Berlin es versäumte, die Chancen zu nutzen, die es sich selbst erkämpfte. Und weil die Bayern, sehr zur Freude des mitgereisten Präsidenten Herbert Hainer Antworten hatten, wenn sie nötig waren.

Unterdessen braut sich andernorts Ärger zusammen. Er kommt – nicht ganz unerwartet – aus Bamberg. Der dortige Mäzen Michael Stoschek machte das Werben der Bayern um Anton Gavel öffentlich. Demnach habe der Pokalsiegercoach mit einer Spitzfindigkeit seine Kündigung eingereicht. Die digitale Unterschrift unter seinem Arbeitspapier mit den Franken sei nie handschriftlich bestätigt worden, habe der Deutsch-Slowake wohl angeführt. Ein Vorgehen, das von den Münchnern angeregt worden sei, wie Stoschek der Bild erklärte. Gespräche mit den Bayern seien ohne Ergebnis geblieben. Die Münchner selbst äußerten sich zur Causa Gavel zunächst nicht.

Fortsetzung ziemlich wahrscheinlich. Fortsetzung vor Gericht? Eher nicht, wie der ehemalige Brose-Chef andeutete. Für die Bamberger könnte die Sache aber Konsequenzen haben. Denn Stoschek will sein langjähriges Engagement beim Pokalsieger einstellen.RP

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