Als Journalist muss man sich bei dieser WM umstellen: Nicht nach der Beschilderung zu einer „Media Tribune“ Ausschau halten. Der Arbeitsplatz während der Spiele ist ein anderer: die „Press Box“.
Zur Unterscheidung: Die Pressetribüne ist in die Ränge eines Stadions eingebettet. Verbänden und Vereinen ist sie eigentlich ein Dorn im Auge, denn sie belegt den besten Standort. Man könnte dort die teuersten Tickets verkaufen.
Die Press Box ist ein amerikanisches Konzept: Sie ist weit oben, über den Rängen, über den Dingen. Und sie ist ein abgeschlossener Raum, durch Panoramascheiben getrennt vom Rest des Stadions. Normale Zuschauer nehmen aufgrund der Sichtlinien die Press Box gar nicht wahr. Vielleicht freuen sie sich über eine Sportstätte frei von „Schreiberlingen“ und „Schmierfinken“.
Für Reporter ist die „Press Box“ ein himmlischer Ort. Wie ein Wohnzimmer. Wir gehen über Teppiche. Wir haben Platz. Wir müssen nicht übereinanderklettern, um auf unseren Schalensitz zu gelangen. Wir laufen nicht Gefahr, dass jemand mit einem „Systemmedien“- oder „Lügenpresse“-Schrei auf den Lippen Bier über uns kippt.
In Nordamerika wird aus der „Press Box“ geschrieben – und manchmal auch über die „Press Box“. Wenn im Profisport ein Spieler, der nicht verletzt ist, nicht für den Spieltagskader berücksichtigt wird, ist er ein „healthy scratch“, und er wird in die „Press Box“ gesetzt.
Egal, eine Press Box ist etwas Schönes. Im NRG Stadium in Houston sind sogar zwei Ehrenplätze an langjährige Berichterstatter (etwa des „Houston Chronicle“) vergeben. Man kann sich Ruhm auch ersitzen.