In Miami, lese ich, findet das Gruppenspiel zwischen Saudi-Arabien und Uruguay statt, als ich es mir gegen Mitternacht im Bett gemütlich mache. Während sich die 22 Akteure in der Anfangsphase äußerst schwertun, mir in der Mittagshitze von Florida ein unterhaltsames Abendprogramm zu bieten, denke ich darüber nach, wie ein guter Freund vor wenigen Wochen von seinem Trip ins Sonnenparadies geschwärmt hat. Türkisfarbenes Meer, Sonne unter Palmen. „Traumhaft“ sei das in Miami gewesen.
Für knapp drei Wochen war ich auch schon in den USA. Selfie vor der Freiheitsstatue, Schwimmen in den Wasserfällen des Yosemite-Nationalparks, ein Spaziergang durch Hollywood. Ach, was war das ein weltmeisterliches Jahr 2014, denke ich, bis sich plötzlich eine laute Stimme meldet, ich unsanft aus meinem Traum gerissen werde und erschrocken die Augen aufreiße. Die Uhr zeigt mittlerweile kurz vor eins. Saudi-Arabien ist in Führung gegangen. In der Wiederholung bekomme ich den Abstauber zu sehen. Ich höre noch, wie der Kommentator Torschütze Abdulelah Al-Amri als „gedankenschnell“ bezeichnet, ehe ich mich wieder mit meinen Gedanken in den Urlaub verabschiede. Achterbahnfahren am Santa Monica Pier – herrlich. Für mich einfach eine traumhafte Weltmeisterschaft, sobald ich schlafe.LARS BREDTHAUER