Experten unter sich: Herzog (li.) und Pariasek. © Screen: ORF
Unser heutiges TV-Motto lautet: „Das Beben der anderen.“ Und es geht um den höchsten österreichischen Sieg bei einer WM seit 1954. Das ist länger her. Entsprechend zünftig ließen es unsere Nachbarn krachen – als sie Jordanien mit 3:1 über den Jordan schickten. Der Torjubel bei Magenta Austria ging so: „Der schwaaßt eahm eine! Der hot eahm einegschnoizt!“ Sie sehen, es war auch sprachlich lehrreich und exotisch. Wir haben den Triumph der rot-weiß-roten „Kampfmannschaft“ (heißt so) im ORF verfolgt, mit Schneckerl Prohaska und Andy Borg, der sich als Andi Herzog entpuppte.
Österreich, fünf Uhr früh: Anpfiff zum größten Fußballtag seit „Goleador“ Hans Krankl ist zur unchristlichen Zeit um sechs Uhr. Bereits eine Stunde davor holt der ORF die Republik aus den Betten. „Wir wollen das Land glücklich machen“, verspricht Marcel Sabitzer unbescheiden. Der ewige Herbert Prohaska, die Wiener Melange aus Fritz Walter und Kaiser Franz, analysiert, wie sich Jordanien bei der Wödmastaschoft schlagen lässt: „Wenn wir alles geben, und davon ist auszugehen.“
Der motivierte Experte: Andi Herzog würde am liebsten selber mitspielen. Seine Ansage: „Wenn ich ein Leiberl anhätte, würde mich keiner mehr vom Platz kriegen.“ Moderator Rainer Pariasek muss ihn einbremsen: „Glaubst du, dass sie ein Leiberl in deiner Größe hätten?“ Herzog wird tatsächlich immer Andy-Borg-artiger. Arrivederci Claire, gegen Jordanien wird’s schwer!
Gemma, meine Herren: Kommentator Oliver Polzer glaubt, dass sich das Land noch in den Federn befindet. „Ich weiß nicht, ob schon mal Österreicher im Pyjama die Bundeshymne gesungen haben.“ Später stellt sich aber heraus, dass zahllose Kinder von Graz bis Innsbruck zum kollektiven Alaba-Schauen eigens früher in die Schule gegangen sind.
Die Führung: Der ORF-Kommentator spürt früh, dass es „keine Jausengegner mehr gibt“, ergo „Fallobst“. Aber dann das schnelle 1:0, das fingereske Narrischwerden! „Argentinien hat Messi, wir haben Romano Schmid“, triumphiert Olli Polzer. Zum Magenta-Jubel müssen wir ergänzen: „Eineschwaaßn“, eh kloa, bedeutet „Hineinschweißen“. Und „einegschnoizt“ hat nichts mit „Reinschneuzen“ des Balls zu tun (was auch lustig wäre), sondern mit „Schnalzen“. Sprachlich schnoizt es eh – zum Beispiel, als Polzer verrät, dass im 49ers-Stadion normalerweise das „Eierlaberl“ fliegt, der Football für Alpenbewohner.
Das Drama: Erst das 1:1, das ORF-Olli „richtig lästig“ findet. Dann das Handspiel-2:1 vom Nationalheiligen Marko Arnautovic, vom „Lauser“, wie ihn Andi Herzborg nennt. Doch dann fliegt Österreich mit Astronautovic in den Himmel. Pures Glück bei Pariasek, der nach dem höchsten Sieg seit 1954 eskaliert. „1954, das hast du schon live mitbekommen“, stichelt der Andi. Pariasek revanchiert sich mit einem liebevollen „Du Trottel“. Herrlicher Schmäh! Und im ORF sieht man das dritte Tor wenigstens, während das ZDF den Internet-Stream vor dem 3:1 zugunsten einer Gina-Schumacher-Doku beendet. Unsere Öffis, zum Narrischwerden!