Harte Partie, aber ich habe gewonnen!

von Redaktion

Von Daniela Pohl

Ich war mit meiner Familie gerade im Urlaub in Slowenien. Campen. Und so ergab es sich, dass wir das erste Deutschland-Spiel beim Public Viewing zwischen Klohäuschen und Spülstation verfolgten. Schon Tage zuvor stellte ich fest, dass der gemeine Camper wenig mit Fußball am Hut zu haben scheint. Hier zählen die Freiheit, die Liebe zur Natur und die unzähmbare Abenteuerlust fernab der geldgierigen Profisport-Maschinerie. Statt Deutschlandflaggen an Autos liest man auf sauteuren Campern pathetische Sprüche übers Reisen und die große Freiheit.

Kurz vor Anpfiff pilgerte eine Klappstuhl-Karawane zur Leinwand. Zwei Abenteurer im Partnerlook und Trekking-Sandalen machten gleich wieder kehrt – ein Dosenbier: vier Euro! „A bissle viel.“ Schwaben. Ein Experten-Ehepaar im Deutschland-Trikot saß in Reihe eins, die Tröten griffbereit. Die zwei waren mir schon am Platz wegen ihrer Gartenzwerge auf dem Kunstrasenteppich aufgefallen. „Kuschel-Oase“ stand in großen Lettern auf ihrem Wohnmobil. Eine Radlergruppe mit roten Gesichtern näherte sich ungeduscht. Dafür gesellte sich eine frisch geschniegelte Familie mit Bademänteln dazu. Ein Bier für den Papa gab‘s trotz geputzer Zähne. Wild. Das Spiel nahm seinen Lauf.

Wohlwollendes Klatschen, wenn ein Tor fiel. Ein alter Mann mit Angel und einem zotteligen Hund zu seinen Füßen blickte kurz hoch und widmete sich dann wieder seinen Käsewürfel-Ködern. Die Bewohner der Kuschel-Oase schauten missbilligend und tröteten provokativ. Ungefähr in Minute 12 kehrten die Trekkingsandalen-Schwaben zurück – mit eigenem Bier. Für mich war nach der ersten Halbzeit Schluss. Zu groß war der Frust meines vierjährigen Sohnes, dass er kein Eis bekam und keinen Hund hatte (er hatte das Zottel-Tier des Fischers gestreichelt).

Drei Wutanfälle später saß ich abgekämpft vor unserem Wohnwagen. Es war eine harte Partie, aber ich habe ihn niedergerangelt – er schlief. Deutschland hatte gewonnen. Die Klappstühle wackelten in der einbrechenden Dunkelheit ins Wagendorf. Zwei Extremschwimmer schälten sich aus ihrem Neopren. In der Kuschel-Oase ging die Lichterkette an.

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