Zaubern statt zocken

von Redaktion

Frühes Frankreich-Duell droht, bereitet dem DFB aber keine Sorge

Jamal Musiala & Co. zauberten beim ersten Gruppenspiel. © STEINSIEK/Imago

Winston-Salem – Es ist erst zwei Jahre her, da feierte die deutsche Nationalelf ein bittersüßes Tor: Bei der Heim-EM 2024 traf Niclas Füllkrug im letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz kurz vor Schluss zum 1:1. Die Spieler bejubelten den Treffer emotional, freuten sich darüber, dass sie ungeschlagen durch die Gruppenphase kamen – und trafen zum Dank im Viertelfinale auf Spanien, weil sie durch den Gruppensieg in den schwierigeren Turnierbaum rutschten.

Ein ähnliches Schicksal droht dem DFB auch bei dieser WM: Sollten die Deutschen die Gruppe mit Curacao, der Elfenbeinküste und Ecuador auf dem ersten Platz abschließen, droht aller Wahrscheinlichkeit nach Frankreich als Gegner im Achtelfinale, falls die Équipe Tricolore ebenfalls Gruppensieger wird (und ihr erstes K.-o-Spiel gewinnt). Danach sieht es aktuell aus (siehe Text unten). Sollte die DFB-Elf also in den verbleibenden zwei Gruppenspielen zaubern – oder zocken, als Gruppenzweiter einen leichteren Gegner zu bekommen?

„Wir wollen Erster werden und uns auch nach der Gruppenphase behaupten“, sagte Sportdirektor Rudi Völler. „Wir werden schwer zu schlagen sein – und das ist schon mal eine Aussage.“ Dass mit Frankreich der wohl schwierigste Gegner früh droht, ist ihm egal: „Die letzten Weltmeisterschaften haben uns gelehrt, dass es nicht immer so ausgeht, wie viele Experten zu Beginn eines großen Turniers denken.“

Schuld daran, dass die DFB-Elf als potenzieller Gruppensieger bereits im Achtelfinale auf ein Schwergewicht treffen könnte, ist der neue Modus der XXL-WM. Durch die riesige Anzahl von 48 Mannschaften kommen nicht nur – wie gewohnt – die ersten zwei Teams weiter, sondern auch die acht besten Dritten der zwölf Gruppen. Nach dem 7:1 gegen Curacao befindet sich die DFB-Elf fast sicher unter diesen acht Teams. Im neuen Sechzehntelfinale treffen die Gruppenersten auf Zweit- und Drittplatzierte. In Deutschlands Fall wäre dies ein Drittplatzierter aus den Gruppen A, B, C, D oder F. Im weiteren Verlauf der K.-o.-Runde fällt dieser Vorteil aber weg.

Doch egal, wie man es dreht und wendet: Die Elf von Trainer Julian Nagelsmann wird nicht drum herumkommen, im Turnierverlauf harte Brocken zu schlagen. Zunächst wartet aber das Duell mit der Elfenbeinküste am Samstag (22 Uhr, ZDF), für das man sich in Winston-Salem vorbereitet. Dabei geht es vorwiegend darum, die Konterabsicherung in den Griff zu bekommen und noch zwingender die eigenen Chancen zu verwerten. Das würde auch gegen Frankreich helfen – jenem Gegner, auf den man am Independence Day (4. Juli) in Philadelphia treffen könnte.V. TSCHIRPKE, M. BONKE

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