Seit wir alle Smartwatches tragen, bestimmt eine Zahl unser Leben: 10.000.
10.000 Schritte soll man tun, damit man gesund alt wird. Zuhause sind die 10.000 kein Problem. Nicht mal an Bürotagen mit der maximalen Gehdistanz Schreibtisch – Kaffeemaschine. Abends halt noch eine Joggingrunde – zack, gratuliert die Uhr.
Hier in Nordamerika: ist man mittags bei 2000 und nach verrichtetem Tagwerk bei vielleicht 5000 Schritten. Kleine Joggingrunde? Es hat 35 Grad. Man geht in den klimatisierten Fitnessraum, aufs Rad. Pedalumdrehungen sind keine Schritte. Man kann auch mit einem gepflegten Spaziergang das Defizit nicht ausgleichen. Man geht in den USA nicht spazieren, die Promenadologie wird nicht einmal in Stanford oder Harvard gelehrt. Man geht eigentlich überhaupt nicht zu Fuß.
Neulich hatte ich ein Restaurant ins Auge gefasst, dachte, das ist so nah, da gehst du einfach mal hin. Google Maps wies die Strecke aus als „0,7 Meilen, großteils flach“. 15 Minuten Gehzeit. Okay, schaffe ich locker in zehn. Zuerst sprintete ich über die am Hotel vorbeiführende Schnellstraße auf die andere Seite, dann kletterte ich einen Hang empor, schlug mich auf einem verdorrten Grünstreifen die Leitplanke entlang, überstieg sie (sehr scharfe Kanten), begab mich auf eine Brücke über die querende Autobahn. Als ich sah, dass ich vor dem Lokal noch über die Ausfahrtspur des Highways müsste, kehrte ich zurück zum Hotel. Ich fuhr den Kilometer schließlich mit dem Auto.
Jetzt weiß ich auch, warum die Amerikaner sich bei der Fernsehserie „The Walking Dead“ so gruseln. Weil Menschen zu Fuß unterwegs sind.