Berichte, dass die Zuschauer in den Stadien nach dem Abpfiff bei 0:0, 1:1 oder 2:2 sitzen geblieben wären, haben wir nicht vernommen. Offensichtlich haben auch die zunächst Unwissenden verstanden, dass in diesem in Europa und Südamerika beliebten Spiel namens Fußball auseinandergegangen werden kann, ohne dass man einen Sieger ermittelt hat. Aber wir bezweifeln, dass der durchschnittliche US-Sportkonsument in dem 0:0 zwischen Spanien und Kap Verde die gleiche Sensation sieht, wie wir sie in Europa wahrnehmen.
Eine leichte Freude können wir nicht verhehlen, wenn eine Partie wieder mit einem Remis geendet ist. Wobei wir den amerikanischen Freunden auch nicht unrecht tun dürfen. Sie wissen sehr wohl einen ausgewogenen Wettbewerb zu schätzen. Denn der Profisport, den sie kennen, ist darauf ausgerichtet, für größtmögliche Spannung zu sorgen. Alles ist viel reglementierter als auf dem freien, aber wild wuchernden europäischen Markt. Budgetober- und, genauso wichtig, Untergrenzen sorgen dafür, dass die Schere nie so weit auseinandergehen wird wie zwischen Real Madrid und Real Oviedo. In der Eishockeyliga NHL sind in der vergangenen Saison über drei Viertel der Spiele knapp geendet. Und Abonnements-Meister gibt es im nordamerikanischen Teamsport schon mal gar nicht.
Nationalmannschaftssport ist in den USA (und Kanada) mit seinen großen Club-Marken etwas Exotisches. Daher muss er etwas bieten. Ein 7:1 wie im ersten Spiel Deutschlands mit einem klaren Sieger, aber auch einem von seinem Torerlebnis beseelten Außenseiter Curacao ist die bessere Geschichte als ein handelsübliches 1:1.
Wenn die Vorrunde erst einmal vorbei ist (in gefühlt einigen Wochen), bekommen die Amerikaner dann auch Spiele zu sehen, in denen die Entscheidung erzwungen wird. Man muss ihnen dann nur sagen, dass die Verlängerung nach einem Tor noch weitergehen kann. Also: Sitzen bleiben.