Wie Udo Lattek 1974: Der Analog-Streich am Magnetbrett. © Screen
Mögen die Schwielen beginnen! So langsam wird die Sitzfleisch-WM körperlich herausfordernd. Immerhin: Im Gegensatz zu den Fußballern kann man auf der Couch jederzeit eine Trinkpause einlegen. Motto: Dabei Wein ist alles. Oder für Biertrinker: Das nächste Spiel ist immer mit Gerste. Wir beantworten Leserfragen.
Ist die ARD ein Vorbild für die Bundesregierung? Im Grunde Ja. Denn das Erste sendet die WM so sparsam und frugal, wie man es sich von Lars Klingbeil wünschen würde. Mittlerweile hat sich auch Demnächst-Mama Lea Wagner aus der Kölner Kick-Kemenate zu Wort gemeldet, und mit ihrem unerbittlichen Strahlbeton alles kurz und klein gelächelt. An ihrer Seite: Neu-Experte Robin Gosens. Netter Kerl, erzählt auch vernünftiges Zeug. Aber Magenta hat Thomas Müller, die ARD hat Robin Gosens. Lea Wagner sprach ausgiebig über den „Brustlöser“ gegen Curaçao. Der DFB-Beauftragte Alex Schlüter ulkte: „Ich hab auch ein paar gelöste Brüste erkennen können.“ Irgendwie muss man die Zeit ja totschlagen.
Was machen die Sprachkenntnisse von Esther und Basti? Ausbaufähig! Es entspann sich zwischen den beiden eine Diskussion, wie man das Rummenigge-Lieblingslob „à la bonne heure“ schreibt. Mademoiselle Esther war sich sicher: „A, la und dann b, o, n, h, e, u, r, oder? Korrigieren Sie mich, wenn es falsch ist, liebe Zuschauer.“ Ihr lieber Zuschauer Basti stimmte der Schlechtschreibung zu – während sich Französisch-Lehrer zu entleiben drohten. Kommt davon, mes chers amis, wenn man nicht auf der Kalle-Rümmenisch-Universität für angewandtes „Champs Elysées“ promoviert hat. Besser kennen sie sich mit Fußball aus. Keine Spur von „Je ne sais Pass“.
Wo ist Almuth Schult? Sie werkelt großartig wie eh und je fürs Erste („Ich kann Kap Verde so fühlen“) – ist als Co-Kommentatorin aber verschenkt. Hallo, ARD: Wir fordern Mut zur Almuth! Wobei das ja keinen Mut erfordert, die Frau ist fabelhaft. Für Dauerquasseln à la Ballack ist sie viel zu schlau. Sie sagt was, wenn sie was zu sagen hat. Alla bonör, oder so.
Was machen die ZDF-Weltmeister? Sie ziehen sich wieder engagiert durch den Kakao. Schapoh, wir lupfen den Hut! Zuletzt hat Chris Kramer das Portugal-Remis gegen Kongo so erklärt: „Die Favoriten haben große Probleme gegen tiefstehende Mannschaften. Sie spielen so ein bisschen ‚Around the Cake‘, wie der Engländer sagen würde.“ Da brummte Kuchenexperte Mr. Per Mertesacker aus London: „Der Engländer sagt das nicht.“ Christian Streich lobt zurecht: „Schgut.“
Isch Crischtiano Streich ein verwunschener Portugiese? Die schrullige ZDF-Neuverpflichtung benutzt in Analysen („Wenn du de Ball hasch“) mehr „sch“ als die sprachverwirrte Claudia Neumann („Fernando Fernandsch“) während des gesamten Portugal-Spiels. Kultig auch seine Aussprache des Wörtchens „ich“. Motto: „Äch denke, also bin äch.“ Bei seinen schlauen Analysen an der Magnettafel wirkt Analog-Streich beinahe wie Udo Lattek 1974 beim FC Bayern: „Franz, mit deine Pässe überlischtescht du jäde Gägna.“ Schgut, ächter Bruschtlöser!