„Glaube ist legales Doping“

von Redaktion

Mental-Trainer Kadel ist bekennender Christ und arbeitet mit Fußballern

Winston-Salem – David Kadel arbeitet seit dem Jahr 2001 als „Mentaltrainer“. Bei seinen Seminaren spielt auch das Thema Glaube eine zentrale Rolle. In den vergangenen 15 Jahren hat der bekennende Christ (Buch: „Was macht dich stark?“) mit vielen Spielern und Trainern aus der Bundesliga zusammengearbeitet.

Herr Kadel, Felix Nmecha und Jonathan Tah haben zusammen mit den Spielern von Curacao gebetet. Diese Szene wird heiß diskutiert.

Ich kann daran nichts Negatives erkennen, ich feiere es! Eigentlich müsste man Nmecha und Tah das Bundesverdienstkreuz verleihen: Mehr Fairplay geht ja gar nicht!

Inwiefern?

Das 7:1 hast du gerade auf die Mütze bekommen – und du stehst trotzdem da mit den deutschen Spielern und betest zusammen. Das ist ja eigentlich das, was alle lieben. Das ist der Olympische Gedanke in Perfektion.

Das Thema Glaube ist plötzlich sehr laut. Dabei gibt es in der Bundesliga viele bekennende Christen.

Ja, es ist schon wirklich fast eine Bewegung geworden! Als ich mich in den 1990er-Jahren intensiv mit dem Christentum befasst habe, waren das damals noch Exoten. Aber heute hast du Jürgen Klopp und andere Trainer und Spieler, die offen über ihren Glauben sprechen und sich zu ihm bekennen.

Woran liegt das?

Viele merken, dass Fußball am Ende bei den schönsten Triumphen und Erfolgen doch nicht wirklich so glücklich macht oder so satt, wie das eigentlich der Glaube vermag. Und zum anderen ist das dieser mediale Druck, glaube ich.

Wie wirkt der sich aus?

Heute bist du total durchlässig als Profi. Du kannst dich fast nichts mehr trauen. Du brauchst viel mehr Rückhalt oder einen Anker in deinem Leben. Und das finden viele im Glauben. Das ist auch eine Art Zuflucht, dass ich sage: Ich gehe nicht alleine in ein Spiel oder durch meine Karriere. Ich nenne das immer legales Doping.

Wenn Felix Nmecha jedoch ein homophobes Posting liked, wirft das kein gutes Licht auf das Christentum.

Für mich ist dieses Thema ein großes Missverständnis. Jesus Christus hat alle Menschen gleich behandelt. Es gibt aber leider auch Hardliner. Aber moderne Christen, wie auch Felix Nmecha einer ist, schließen keinen aus. Im Gegenteil: Wir lieben alle Menschen. Wenn ich einen Fußballer treffen würde und der schimpft über Homosexuelle, würde ich sofort merken: Der hat das mit dem Christentum nicht verstanden.

INTERVIEW: MANUEL BONKE

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