Tickets zu teuer? Dann hüpfen die niederländischen Fans, hier im TV-Spot, eben wieder zurück!
Der legendäre Party-Bus hat es auch in die USA geschafft. Beflügelt die Unterstützung der Fans das Team um Virgil van Dijk (l.)? © Screen/DPA
Das Grinsen von Rob Kemps hört man auch durchs Telefon. „Goedemorgen“, schallt es. Vor wenigen Minuten hat der Sänger der niederländischen Band „Snollebollekes“ noch ein Video gesehen, wie tausende Oranje-Fans in Dallas zu seinem Song „Links Rechts“ hüpfen. Bei der Europameisterschaft in Deutschland vor zwei Jahren wurde das Partylied populär, nun erobert es auch die Weltmeisterschaft.
Rob Kemps, Ihr Lied „Links Rechts“ hat vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft alle begeistert. Nun hüpfen die niederländischen Fans auch durch Dallas.
Die gehen alle ab, das ist absolut verrückt. Kirchenglocken in Dallas haben den Song gespielt. Das ist etwas, was ich nun von meiner Wunschliste abhaken kann (lacht). Ich habe auch schon amerikanische Fans gesehen, die von links nach rechts springen. Das Lied verbindet alle Fans. Das ist das Besondere: Die Magie entsteht, wenn alle gemeinsam hüpfen. Ganz egal, welches Trikot man trägt. In Kansas war die Dutch Army unterwegs – und ein einziger, verlorener japanischer Fan. Sie haben ihn in die Mitte genommen und sind losgehüpft. Er sah aus wie das Reh vor dem Scheinwerferlicht – er wusste überhaupt nicht, was jetzt abgeht (lacht).
Überrascht es Sie, dass die Euphorie auch bei der Weltmeisterschaft – in drei Ländern und mit teuren Tickets – anhält?
In Deutschland ist Fußball so riesig. Mit all den Erfolgen und der Historie. Daher konnte man absehen, dass das Lied bei der Europameisterschaft funktioniert und die Begeisterung da ist. Aber in den USA? Da gibt es erst mal Basketball, Football, Baseball … Umso schöner, dass auch bei der WM wieder fleißig gehüpft wird. Ich kann nur für die Niederlande sprechen: Es sind so viele Fans rübergeflogen, da spüre ich keine Skepsis.
Gehört „Links Rechts“ mittlerweile auf den Lehrplan an niederländischen Schulen?
Es ist wirklich eine riesige Nummer geworden (lacht). Jeder kennt das Lied. Ich bin mittlerweile das Gesicht der Supermarktkette Jumbo und es gibt einen eigenen TV-Spot. Diesen Hype hätte ich mir nie träumen lassen. In zwei Wochen sind Ferien in den Niederlanden, sollten wir dann doch noch im Turnier sein, wird die WM-Euphorie hier sicher auch noch mal größer.
Kann Oranje den ganzen Weg bis ins Finale hüpfen?
Ja, ich bin optimistisch! Nach dem Spiel gegen Japan gab es schon wieder viel Ernüchterung, aber ich glaube weiter daran. Wenn ich nicht daran glaube, dass wir Weltmeister werden können, warum soll ich mir das Ganze dann überhaupt anschauen? (lacht)
Seien Sie ehrlich … Gab es einen Moment, in dem Sie dachten: Nicht schon wieder dieses Lied!
Natürlich ist es Arbeit. Aber es ist nie langweilig. Wird Ihnen langweilig, den Fans beim Hüpfen und Feiern zuzusehen? Ich hatte es noch nie, dass ich das Lied gespielt habe und keiner hat sich bewegt. Nach dem Motto: Kein Bock mehr! Die Energie ist immer da. Ich erinnere mich, wie in Leipzig vor zwei Jahren Franzosen zu dem Lied abgegangen sind. In Dortmund stand ich auf dem Fanbus, man hat in die Menge von 100.000 Menschen geblickt, die alle feiern. Danach habe ich der „New York Times“ oder BBC Interviews gegeben. Und nun schwappt die Welle durch Amerika – Wahnsinn.